Keine Träume - 10 bis 13 (Amenteth Charaktergeschichte - Age of Conan)
~ fortsezung ~
Teil 10
Jetzt, da sie an diesem kleinen Mauervorsprung an der Hauswand stand, erschien das Haus irgendwie höher, als es von unten gewirkt hatte. Fest drückte sie ihren Rücken an die Wand hinter sich, ebenso die Hände, von der die Linke immer wieder bei jedem Schritt nach links nach etwas Halt ausschau hielt.
Schritt für Schritt en wenig mehr nach links und sie wusste dass dies eigentlich schon viel zu lange dauerte. Als sie die Hausecke erreicht hatte hielt sie nach dem Stalldach aus schau. Etwas niedriger als der Mauervorsprung war das Dach des Stalls und noch ein wenig um die Ecke herum müsste sie sich bemühen, dann wäre der Stall nicht mehr weit und sie könnte sich mit ihrem Pferd ein anderes Versteck außer diesem Gasthaus suchen. Sie wusste nicht ob die Stadttore des Nachts verriegelt waren, aber das wäre wohl das erste was sie versuchen würde herauszufinden.
Vorsichtig machte sie einen weiteren Schritt nach links und wider ihrer Erwartungen drohte sie nicht abzurutschen, verlor sie nicht vollkommen das Gleichgewicht oder stürzte in die Tiefe. Kurz schwankte sie, musste das Gleichgewicht etwas halten, aber rasch hatte sie sich um diese von ihr leise verfluchte Ecke bewegt und trat mit leisen Schritt auf das unter ihr knarrende Dach des Stalls.
Leise und etwas geduckt schlich sie in der Dunkelheit der Nacht zur Front des Viehstalles und schaute über die Kante hinweg hinab ob sie diesen seltsamen Fremden mit seinem weißen Häubchen entdecken konnte, doch war niemand zu sehen in der Nähe außer einigen betrunkenen Bürgern der Stadt, die leicht taumelnd über die Straße wanderten. Nach kurzem Durchatmen und einem festen Griff an die Kante des Dachs schwang sie sich dann von ihrer sicheren Position hinab und landete knapp neben der Tür zum Stall auf dem Gehweg.
Die Tür zum Stall war nicht verschlossen und auch wenn es leichtsinnig war, so konnte jedermann zu jederzeit hinein oder hinaus gehen. Mit leichtem Druck öffnete sie die Stalltür einen Spalt und linste ins innere des Holzgebäudes. Eine Öllampe auf jeder Seite des Stalls erhellte als einzige Lichtquelle den Raum im Innern und so war es nur schwer etwas genaueres zu erkennen. Dennoch war es für sie nicht schwer Jard zu sehen, da dieser sich immer noch in der Box befand, in der sie ihn zurück gelassen hatte. Das Tier war ein wenig unruhig und sie ahnte warum das der Fall war, konnte aber dennoch nichts erkennen.
Etwas mehr öffnete sie die Tür in den Stall und bewegte sich langsam und so leise wie möglich in den Raum. Auch wenn schleichen hier vielleicht vergebens war, da der Mann ohnehin alles sah, was sich im Raum tat, wenn er denn einigermaßen überlegt hatte, als er sich ein Versteck gesucht hatte.
Als, auch als sie sich mitten im Stall befand und das Licht sie nun vollkommen zeigte, sich nichts tat und niemand aus der Dunkelheit sich auf sie stürzte, richtete sie sich etwas auf und ging auf das Pferd zu. Vielleicht wollte er sie in Sicherheit wiegen oder aber er wollte sie dann erwischen, wenn sie sich auf das Pferd setze. Sie rechnete mit allem.
Und in just dem Moment als sie die halb hohe Tür zum Stall ihres Pferdes öffnen wollte, schreckte ein Schatten vor ihr auf und ehe sie sich versah spürte sie eine Faust in ihrem Gesicht.
Leicht benommen und taumelnd trat sie einen Schritt zurück. Das war nicht die Art Kampf die sie gewohnt war. Mit der einen Hand die blutende Wunde an ihrer Nase haltend griff sie mit der anderen nach einem ihrer Dolche und beobachtet den Fremden einen Moment tatenlos wie dieser sich zwischen sie und den Ausgang bewegte.
Ihr Blick wanderte Rasch umher, doch jeder Ausweg war damit versperrt. Zu ihrer Linken und Rechten gab es keine Fenster, nur Hauswände, und hinter ihr eine massive Holzwand, die sie unmöglich durchdringen konnte.
„Mädchen, mach keine Zicken und ergeb’ dich einfach. Ich habe keine Lust dir noch mehr weh tun zu müssen. Komm einfach mit.“
Sie gab ein leises Geräusch von sich und kurz darauf spuckte sie, von sich selbst angewidert einen roten Brocken auf den Grund. „Ihr glaubt doch nicht ernsthaft das ich mich einfach so ergebe. Was soll dieser Mist? Wer schickt euch?“
„Du könntest einen hohen Preis bringen, wenn man dich an die richtigen Leute verkauft und vermissen wird dich sicherlich keiner, wenn du ohnehin alleine Unterwegs bist.“
Ihr gefror das Blut in den Adern bei den Worten des Mannes. Er hatte recht. Nicht das sie einen hohen Preis einbringen würde, alleine der Gedanke war ihr zu wieder, das ihr Leben in Goldstücken gemessen wurde, sondern viel mehr, das niemand sie vermissen würde. Sie war weg und niemand rechnete zur Zeit damit, das sie je wieder auftauchen würde. Wenn sie starb gab es niemanden, der sie suchen würde.
„Lieber sterbe ich, als noch einmal so gefangen zu sein.“
Der Mann ihr gegenüber verengte ein wenig die Augen bei ihren Worten und griff hinter seinen Rücken an etwas, das sie bis dahin nicht hatte sehen können. Zwei Metallringe befanden sich nun fest umschlossen von seinen Fäusten an seinen Händen und würden bei jedem weiteren Schlag den er machte nun wohl schmerzhafte Abdrücke auf ihrem Körper hinterlassen. Sie senkte die Hand von ihrem Gesicht und griff auch nach dem zweiten Dolch der sich an ihrem Gürtel befand. Mit leicht von ihrem Körper gestreckten Armen und den Dolchspitzen gen Boden gerichtet versuchte sie sich etwas nach links zu bewegen. Ihr Hengst derweil gab immer wieder ein aufgebrachtes Wiehern von sich, während in diesem Raum in einem Stall in Luxur langsam klar wurde, das sie ihre Worte mehr als ernst meinte.
Er rührte sich nicht von der Stelle während sie sich bewegt, war sich seines Vorteils wohl durchaus bewusst, den einzigen Fluchtweg zu versperren. Doch sie wollte nicht flüchten, ganz im Gegenteil. Wenn sie jetzt begann wegzurennen, dann würde sie den Rest dieser Reise genau das selbe tun, immer und immer wieder. Hier konnte sie vielleicht gewinnen. Waffen gegen Fäuste, wie konnte sie da versagen? Mit der Linken griff sie, ohne den Dolch richtig aus der Hand zu legen nach dem Riegel der ihr Pferd in dem Pferch gefangen hielt. Selbst wenn sie hier nicht wegkam, sollte zumindest ihr Pferd die Chance bekommen aus der Stalltür hinaus und vielleicht in die Freiheit zu rennen. Ein dummer Gedanke für jeden anderen vielleicht, aber nicht für sie, nicht nach der Zeit, die sie nun schon alleine mit diesem Tier verbracht hatte.
Als der Riegel weggeschoben war wurde das Pferd ruhiger, fast als wisse es darum nun gehen zu können schnaubte es nur hin und wieder etwas lauter, trat aber nicht mehr gegen die Tür, die es vor sich hatte. Und so kehrte eine fast erschreckende Ruhe in den Raum, in dem sich die kleine Stygierin und der ihr körperlich ganz offensichtlich überlegene Mann gegenüber standen.
Es war eine schnelle Bewegung die als erstes von ihm ausging. Mit einem Ausfallschritt nach vorne bewegte er sich auf sie zu, auf den sie sofort einen Schritt zurück wich. Ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, auf das sie nur damit reagierte, das sie mit einer heftigen Bewegung ihre Kapuze in den Nacken warf. Er spielte mit ihr, wusste das er ihr überlegen war. In allen dingen die sich hier nun boten. Ihr Blick wanderte umher und fixierte einen Moment länger eine der Öllampen die auf einem kleinen Bord an jeder Seite des Stalls standen. Ein Schmunzeln breitete sich auf ihren Lippen aus als sie ihren Blick rasch wieder auf den Mann richtete, der nur leicht seinen Kopf schüttelte, als ihm wohl klar wurde was sie vor hatte.
Sie machte einen schnellen Schritt in Richtung der Lampe und ebenso tat er es, stürmte auf sie zu um sie abzuhalten. Doch sie stand dichter, war schneller, agiler als der etwas Kräftigere Kerl und warf mit einem schnellen heben der Hand die Lampe von dem Bord. Fast sofort fing das bisschen Stroh auf dem Boden in dem die Lampe landete Feuer und breitete sich rasch aus. Es dauerte nicht lange und das Pferd wieherte erneut, verängstigt auf, bäumte sich hinter Amenteth auf und trat die Tür zu seinem Pferch auf. Der Mann indes stieß Amenteth bei Seite, auch wenn das Feuer bereits gelegt war.
„Du Irre! Lass den Scheißdreck!“ meinte er in der Bewegung zu ihr, doch war es ein Fehler sie bei Seite zu stoßen. So schnell wie sie auf dem Boden gelandet war hatte sie sich auch schon zu Seite gerollt und war so nur knapp dem Fausthieb, den er nach ihr ausgeholt hatte entgangen. Seine Faust stieß unter einem Lauten durch den Metallring verursachten Schlag auf den Boden und sie stürzte zur anderen Öllampe, riss auch diese von dem Bord und warf sie in die andere Ecke des Stalls, der nun ebenso schnell begann in Flammen zustehen. „Ich sterbe lieber, verstanden!“ schrie sie ihm entgegen als er sich erneut auf sie zu bewegte um mit der blanken, verstärkten Faust nach ihr zu schlagen. Sie duckte sich unter dem Schlag weg und versuchte ihm einen der Dolche in der Bewegung in die Seite zu rammen, doch drehte er sich leicht und ihr Hieb ging ins Leere. Nun stand sie mit dem Rücken zur Tür. Ihr Pferd verharrte noch einen Moment in seinem Pferch, ehe es hinaus trat und sich immer wieder aufgebracht und wohl nach einem Fluchtweg suchend im Kreis bewegte, während die Flammen langsam an den Balken des Stalls entlang Richtung Dach krochen.
Er würde ihr folgen, da war sie sich sicher. Jard würde den Weg finden, wenn sie nur die Tür erreichen würde und ihn von draußen rufen könne. Schnell drehte sie sich herum um auf die Tür zuzustürzen, doch ein Rück hinter ihr, ein plötzlicher Ruck an ihrem Hals lies sie fast nach hinten kippen. Der Fremde hatte ihren Umhang ergriffen und hielt sie mit der Linken an diesem, während seine Rechte bereits zum nächsten Schlag ausholte. Mit hektischen Fingern versuchte sie den Knoten zu öffnen, durchschnitt am Ende aber schnell mit einem der Dolche den Stoff und machte einen weiteren Schritt nach vorne. Doch es reichte nicht, sie spürte den Schmerz nur zu durchdringend als der Schlag sie in die Seite traf, sie glaubte für einen Moment nicht Atmen zu können. Die wucht des Schlages traf sie überraschend und so fiel sie, einen Arm an die Seite pressend auf die Knie. Vielleicht hatte er ihr gerade eine Rippe gebrochen, sie war sich nicht sicher, doch der Luftmangel nahm ihn ohnehin jede Möglichkeit zu denken.
Die Chance schnell nutzend griff der Fremde mit einem Arm um ihren Hals und bog ihr mit der anderen Hand einen Arm nach hinten. Sein Knie an ihre Wirbelsäule drückend fixierte er sie so fest, das sie glaubte, jede Sehne und jeden Muskel in ihrem Körper nun gespannt zu haben. Keuchen und nach Luft ringend versuchte sie sich dem Griff zu widersetzen, doch jede Bewegung die sie machte veranlasste ihn nur noch mehr dazu sie fester zu fixieren und ihr noch mehr Schmerz zuzufügen. Den einen Arm an ihrer Seite haltend, die Stelle die getroffen worden war so abdeckend kniete sie auf dem Boden.
Das Feuer breitete sich immer mehr aus und kroch nun auch langsam auf den immer wilder werdenden Hengst hinter den Beiden zu während Amenteth’s Körper scheinbar der Gewalt die auf sie einwirkte nachgab. Sie senkte den Blick zu Boden und wusste, das es ihm ein leichtes war, ihr nun das Genick zu brechen, wenn sie sich weiter wehren würde. „Ihr tut das alles für einwenig Geld. Warum?“ brachte sie dann leise hervor, ein Husten nach den Worten nicht unterdrücken könnend.
„Irgendwie muss man ja überleben.“ Gab der Fremde schroff zurück und versetzte ihr noch einen Ruck auf den sie nur leise aufstöhnte vor Schmerz. Langsam war sie sich sicher, das er ihr eine Rippe gebrochen hatte, so sehr wie jeder Atemzug schmerzte. Einige Sekunden verstrichen sicher in denen die kleine Stygierin nur still auf den Boden vor sich starrte und der Mann hinter ihr scheinbar nur darauf zu warten schien, das sie sich wehren würde. Sie griff etwas fester um den Dolch den sie noch immer in ihrer rechten Hand hielt, dessen Arm sie an ihren Leib presste. „Ich sterbe lieber.“ Hauchte sie sich selbst leise zu als sie mit einer schnellen Aufwärtsbewegung versuchte nach ihrem Angreifer zu schlagen, ihn irgendwie zu treffen. Und tatsächlich schrie er auf als ihre Klinge sich ein Stück weit in das Fleisch seiner Schulter bohrte. Kurz nur löste sich sein Griff und genau in diesem Moment entriss sie sich ihm und drehte sich schnell herum, sah ihm ins Gesicht als er noch versuchte zu begreifen was sie da gerade getan hatte und was sein Fehler gewesen war in diesem Augenblick. Beide Hände wieder zur Verfügung habend drückte sie den Dolch noch tiefer in seine Schulter, nur ein Stück weit, ehe er sie mit einem energischen Tritt von sich stieß und sie abermals im Dreck landete.
Er kniete auf dem Boden, die Klinge noch in seinen Muskeln steckend. Sie lag halbseitig auf dem Rücken und hielt sich mit der linken Hand die rechte Seite, während sie mit der Rechten nach ihrem Dolch angelte, der etwas entfernt von ihr auf dem Boden lag. Keuchend versuchten die beiden wohl für einen Moment erneut Kraft zu sammeln um dann erneut anzusetzen...
Teil 11
Irgendwo rechts von sich hörte sie die Klinge über den Boden gleiten, die er sich mittlerweile langsam aus der Schulter gezogen hatte. Sie verschwand etwas weiter entfernt von der Stygin in einer Ecke des Stalls und außerhalb ihrer Sichtweite. Amenteth versuchte sich aufzuraffen nachdem sie den einen Dolch nun geangelt hatte, versuchte sich in die Richtung zu bewegen, in der ihr Dolch verschwunden war, als auch der Mann sich langsam aufrichtete und wieder auf die Beine kam.
Jede Bewegung die sie machte schmerzte und jeder Atemzug schien nicht einmal einen Teil ihrer Lungen auszufüllen während sie auf Knien und immer noch die rechte Seite haltend, in diese Ecke versuchte zu kriechen. Der Mann hingegen hatte sich mittlerweile wieder aufgerichtet und hielt sich die verletzte Schulter. Aus der Wunde tropfte das Blut und lief zwischen seinen Fingern langsam seinen verletzten Arm hinab. Er ignorierte es schlicht und trat ein paar Schritte auf die Frau vor ihm am Boden zu. Sie sah es aus dem Augenwinkel, doch die rasche Drehung, die sie ausgeführt hatte um ihn so zu verletzten, hatte den Rippenbruch nur noch schmerzhafter werden lassen und so musste sie den Tritt der in ihrer Seite, ihrem Unterleib landete schlucken, keuchte nur unter schmerzen als sie sich leicht zusammen krümmte.
Die Flammen schlugen mittlerweile sicher lichterloh aus den Dachsparren hinaus und sie begann die lauten Rufe der Menschen außerhalb des Gebäudes zu hören. Leises Knarren ging von der Decke aus und verkündete, das die Dachbalken nicht mehr lange unter den Flammen stand halten würden. Das würde ein heißes Grab werden, ging es ihr durch den Kopf und sie musste widerwillig lächeln als sie zugleich an ihr verbranntes Heim von damals dachte.
Den Mann schien es zu irritieren, das sie lächelte, denn kurz hielt er vor seinem nächsten Tritt inne, ehe auch dieser wieder die kleine Frau die vor ihm kauerte traf. Leicht benommen werdend schwankte sie etwas. Lange würde sie dies nicht mehr aushalten und so war das einzige das ihr blieb der Griff an ihren Gürtel. Sie krümmte sich noch etwas mehr zusammen als der Mann zum nächsten Tritt ausholte und versteckte so, das sie in diesen kleinen, unscheinbaren Beutel dort griff und sich kurz darauf die Hand an die Nase hielt. Noch ehe auch der dritte Tritt sie hatte treffen können, hatte sie den Staub mit einem tiefen Atemzug inhaliert. Es war, als wären alle Schmerzen nur für einen Moment verflogen, als wäre ihr Körper vollkommen frei von jedem Gefühl und als wären ihre Sinne geschärft für alles das sie umgab.
Mit leicht verklärtem Blick und einer so schnellen Bewegung, das er sicher erschrak stieß sie sich vom Boden nach hinten weg ab und kam fast sofort darauf zum Stehen. Sie nahm es nicht richtig war, was sie dort tat. Ein Tritt in seine Richtung der ihn zu fall brachte, einige gezielte Schläge mit ihrem Dolch hinab auf den Körper des Mannes. Schnelle, präzise Schläge denen er kaum ausweichen konnte, jetzt da auch er verletzt war. Einige Fausthiebe der Frau in das Gesicht des Mannes auf dessen Körper sie sich nun nieder lies und die ihn wie besessen versuchte außer Gefecht zu setzen. Doch nur kurz, nur einige Augenblicke dauerte dieser Zustand. Nur einige Momente in denen der Fremde die kleine Frau vielleicht unterschätzt hatte, ehe ihr Blick wieder klarer, diesseitiger wurde und sich ihre Bewegungen verlangsamten, ehe sie ganz erstarben.
Keuchend und mit vor schmerz durch Atemnot und Anstrengung verzerrtem Gesicht hockte sie über ihm und versuchte zu erkennen ob sie ihn getötet, oder doch nur bewusstlos geschlagen hatte. Er rührte sich nicht, doch als sie seinen Brustkorb betastete spürte sie das er atmete. Sie hob den Dolch zum letzten Schlag und starrte in das Gesicht des Mannes unter sich, als sie wieder das Wiehern ihres Pferdes hörte und aufsah.
Fast vergessen. Sie hatte es fast vollkommen vergessen, das die Scheune brannte, das sie jeden Moment von brennenden Trümmern hatte begraben werden können und all das dann umsonst gewesen wäre. Mühsam, aber so schnell wie ihr möglich war, richtete sie sich auf und eilte in die Ecke aus der sie ihren zweiten Dolch holte. Der Umhang den sie hatte durchschneiden müssen, lies sie zurück. Leicht taumelnd bewegte sie sich auf das langsam nun panische Pferd zu und strich ihm über den Hals. Mühsam und deutlich von Schmerz gezeichnet zog sie sich auf den Sattel hinauf und hauchte Jard einige Worte ins Ohr, während sie dessen Zügel ergriff.
Das Pferd schnaubte einige Male auf, ehe es sich nach einem sachten Tritt in Bewegung setzte und auf das Tor der Scheune zu bewegte. Flammen züngelten bereits an der oberen und unteren Kannte des Tores entlang und als das Pferd mit seinen Hufen gegen des schwere Holz stieß, begannen glühende Holzspäne sich durch die Luft zu bewegen. Wirbelte bei jedem Hieb des Tieres immer mehr Glut auf, welche die Luft bald unerträglich heiß werden lies.
Mit einem letzten unter Wiehern ausgeführten Tritt stieß der große schwarze Hengst das Tor auf und eilte sofort darauf hinaus in die nur zu angenehme, kühle Nachtluft. Amenteth war mittlerweile vollkommen erschlaft auf dem Pferd zusammen gesackt. Fast bewusstlos, aber den Blick noch auf das Stalltor gerichtet sah sie zu wie die Flammen langsam das Gebäude verschluckten. Die Menschen um sie herum versuchten sie von dem Pferd zu zerren und der Besitzer des Stalls fluchte lauthals während er sich förmlich zurück halten musste, die Frau nicht zu schlagen, die er für dieses Unglück verantwortlich machte. Es war so leicht, Fremden ohne Fragen die Schuld für etwas zu geben.
Amenteth’s Blick war unter dem Trubel, auch als man sie versuchte von dem Pferd zu zerren immerzu auf die Flammen und das aufgerissenen Tor gerichtet. Denn, so es auch die umstehenden Bürger nicht sahen, sie sah den Körper, der sich auf dem Boden der Scheune abzeichnete und weiterhin nicht regte. Es war ihre Entscheidung zu rufen, das dort noch jemand in dem Stall ist oder, ob sie den bewusstlosen Fremden den Flammen überlies. Er würde sterben, wenn er nicht erwachen würde, dessen war sie sich sicher. Doch sie tat nichts. Sie wendete sich von den Flammen ab, nahm den Blick von dem Feuer und versuchte ihr Pferd gegen die Menge die sich um sie scharrte zu wenden. Hier würde sie keinen Unterschlupf mehr finden, weder in dieser, noch einer anderen Nacht und so ritt sie, mehr liegend als sitzend erst schnell, dann langsamer werden Richtung Stadttor.
Teil 12
Sie spürte wie der Schweiß ihren Rücken hinab rann und auch der Stoff der Hose, die sie trug wurde langsam davon durchtränkt, doch das war ihr immer noch lieber als direkt entdeckt zu werden. Manchmal musste man auffällig sein um unerkannt zu bleiben. Und da jeder sie auf den ersten Blick wohl für einen Mann gehalten hätte, würde sie zumindest einige Zeit über den Platz wandern können, ohne das der, der ihr diesen Faustkämpfer auf den Hals gehetzt hatte direkt erkannte.
Der Mantel den sie trug hielt sie fest vor ihrem Körper zusammen, das man eigentlich nicht viel mehr als ihr Kinn und die Nase sehen konnte und auch diese versuchte sie durch den gesenkten Kopf etwas zu verbergen.
Überall auf den Straßen hatte man das Getümmel Richtung Zentrum bereits bemerkt. Die klimpernden Goldbeutel an den Gürteln der Menschen um sie herum waren reich befüllt. Man hörte die Rufe der Händler an diesem Tag nur noch lauter. An einem solchen Tag war es leicht noch etwas mehr Geld zu verdienen. Die Menschen die hierher kamen stellten sich darauf ein viel Geld für ihre Waren zu bezahlen und so war es auch nicht verwunderlich, wenn sich die Diebe und Halunken an den Ecken der Gassen versammelten und ihre Opfer heraussuchten.
Um den Platz herum reihten sich die Stände der Händler aneinander und mittig zwischen diesen war die heutige Hauptattraktion aufgebaut, die Bühne auf der die Seelen verkauft wurden, die kein Glück in ihrem Leben hatten. Die Menschen drängten sich dicht aneinander, überall konnte man ihren Geruch von Schweiß vernehmen, konnte man riechen wie einige sich mit Parfüms und Puder davon befreien wollten. Immer wieder stiegen einem die Gerüche der Lebensmittel in die Nase, die hier und da verkauft wurden, die Dämpfe der Wirte, die ihre Speisen an einigen Ecken anboten. Der Geruch von Wein und Schnaps der sich an anderen Ecken über das Geschehen legte. Und unter all diesen Gerüchen der Lärm der Käufer die verhandelten, die Schreie der Händler, die ihre Waren anboten und das Gelächter der Leute die sich unterhielten.
Mit jedem Atemzug spürte sie das Stechen an ihrer rechten Seite. Ein Ziehen das sie daran erinnerte, das sie auch in dieser Nacht wenig Schlaf gefunden hatte. Das sie daran erinnerte, das sie die nächsten Tage nicht würde kämpfen können, sollte man sie angreifen. Die eine Hand wanderte unterhalb des Mantels immer wieder zu jener Stelle die malträtiert worden war, während die andere den Stoff fest vor ihrem Körper verschlossen hielt. Ihr Blick wanderte versucht unauffällig immer wieder umher, suchte die Sklavenhändler, die sich zumeist durch ihr dekadentes Auftreten auszeichneten, doch ein vertrautes Gesicht erkannte sie darunter nicht. Nur die üblichen Gesichter der Seelenverkäufer.
Ihre Blicke streiften hin und wieder auch die anderen Menschen, die sie umgaben, doch niemand kümmerte sich um diese kleine Person in der dicken, nordischen Kleidung. Als sie die erste Versteigerung ankündigten, war auch sie es, die sich unter das Publikum mischte und mit angewidertem Blick dabei zusah, wie sie einen nach dem anderen der Sklaven zum Verkauf darboten. Doch auch hier, direkt am Ort des Geschehens wollte sich einfach nichts in ihrem Geist tun, das sie weiter zurück führte in diese Zeit.
Die Sklaven wirkten wie jeder andere Sklave auch. Devot, den Blick gen Boden gerichtet und die Ketten scheu vor ihren Körpern haltend ließen sie sich auf die Bühne und am Ende, wenn der Wert ihres Lebens und ihrer Kraft in Gold bemessen worden war, wieder hinab führen. Ein Schauspiel wie es sich an diesem Tag noch sehr oft wiederholen würde. Die erste Versteigerung brachte ihr nichts und so wagte sie bereits die Überlegung die Suche hier und jetzt abzubrechen. Sie war verletzt und müde. Sie hatte nicht viel gegessen und getrunken die letzten Tage. Die Hitze nahm ihr langsam fast die Luft zum Atmen. Und doch führten sie ihre Schritte fast wie von selbst näher an den hinteren Bereich der Bühne, dort wo die Sklaven sich aufhielten und darauf warteten verschachert zu werden. Dort, wo die Wächter der Sklaven dafür sorgten, das keiner von ihnen im letzten Moment das Weite suchte. Jeder Sklave suchte die Freiheit, ob bewusst der unbewusst war dabei einerlei.
Kinder, Frauen und Männer jeden alters standen dort und verharrten der Dinge die bald auf sie zukommen würden. Ungewiss dessen, ob sie einem guten Herrn dienen durften, oder ob das Schicksal es schlecht mit ihnen meinte. Doch auch wenn es ihr selbst fast herzlos erschien, heute wollte sie keinen Blick für die Sklaven haben, wollte sich nicht von ihrer Wut und ihrem Mitleid lenken lassen, sondern warf einen genaueren Blick auf die Wachen die dort umher standen. Vielleicht gab es unter ihnen einen Anhaltspunkt, einen der immer noch unter diesem Händler diente, der einst sie selbst verkauft hatte. Nichts. Kein vertrautes Gesicht, keine plötzliche Erinnerung an etwas aus dieser Zeit. Nichts das sie dazu veranlasste etwas zu unternehmen. Vielleicht war er nicht hier. Vielleicht hatte er nicht lange in diesem Geschäft überlebt. Vielleicht hatte er die Wachen bereits ausgetauscht und zeigte sich selbst nicht auf solchen Veranstaltungen.
Es war sinnlos, sie würde hier nichts finden. Wie hatte sie auch glauben können, das sich alles so schnell und einfach entdecken lies, wie es bisher der Fall gewesen war. Doch sie brauchte gerade diesen Mann um mehr zu erfahren. Ohne hin und ohne das wissen wie sie zu einer Sklavin wurde, würde der Rest dieser Suche im Sande verlaufen.
Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und sie zuckte zusammen als die tiefe Stimme hinter ihr ertönte. „Ihr dürft euch hier nicht aufhalten. Geht wieder zurück zu den Ständen der Händler.“ Mit einem seichten Nicken und ohne einen Ton von sich zu geben wanderte sie wieder zurück zu den Ständen und musterte die anwesenden Männer und Frauen weiter nach Hinweisen, die sie irgendwie hätte verwerten können. Doch auch hier wollte sich einfach nichts in ihr regen, außer Abscheu ihrem eigenen Volk gegenüber.
’Wenn ich könnte, würde ich euch alle an die Stelle eurer Sklaven stecken und euch Set persönlich als Opfer darbieten.’ ging es ihr nur immer wieder durch den Kopf, während sie das verhalten der Adligen beobachtete, während sie zusah wie die feisten Leiber der Männer sich zwischen den aufgeplusterten Körpern der Frauen hinweg bewegten. Wie die scheinbaren Schönlinge dieses Volkes sich mit nur noch mehr Farbe im Gesicht versuchten hervor zu heben. In ihr stieg plötzlich ein Brechreiz auf den sie kaum unterdrücken konnte und etwas abseits der Stände, an der Ecke zu einer unscheinbaren Gasse übergab sie sich auf die Straße. Die Hitze musste ihrem ohnehin schon geschundenen Körper zu sehr zu schaffen gemacht haben, denn ebenso überkam sie ein leichtes Schwindelgefühl, das langsam aber sicher Panik in ihr auslöste. Wenn sie hier, so nahe bei den Sklavenhändler ohne Schutz und ohne eine Begleitung in Ohnmacht fiel, war sie ein gefundenes Fressen.
Wieder legte sich eine Hand auf ihre Schulter und sie versuchte so schnell den Mantel bei Seite zu schlagen, ihren Dolch hervor zu holen, das sie einen Moment ins taumeln geriet. „Ich wusste es doch!“ ertönte eine Männerstimme vor ihr, die sie nicht direkt zuordnen konnte. „Amen! Verdammt noch mal, was verschlägt dich in der Kleidung an diesen gottlosen Ort?“ Sie musste einige Male blinzeln, ehe sie erkannte das vor ihr ein Aquilonier stand. Nicht viel älter als sie schien er zu sein. Sein aschblondes Haar fiel ihm in Strähnen ein wenig ins Gesicht und darunter konnte man nur schwer die blau-grauen Augen ausmachen. Etwas besorgt sah er auf die kleine Stygin hinab, die sich eher wacklig auf den Beinen hielt. „Is’ ja mal kein Wunder das du schwächelst, wenn du so hier herum rennst. Is’ alles in Ordnung?“ Amenteth wollte etwas erwidern, aber ihr versagte die Stimme als sie sich wieder mit einem bitteren Schwall an der Hauswand lehnend auf Boden erbrach. „Irgs.. lecker.“ Gab der Fremde von sich, während seine schmalen Lippen sich leicht angewidert verzogen. „Komm mit. Du musst was trinken und aus dem Mantel raus. Hast sicher zuviel Hitze abbekomm’.“ Nicht ganz sicher ob sie dankbar oder verängstigt sein sollte lies sie sich von dem ihr fremden Mann der dennoch ihren Namen zu kennen schien am Arm greifen und etwas weiter in die Gasse führen.
Teil 13
Auf den Stufen zu einem etwas unscheinbaren Haus lies er sie nieder und reichte ihr einen Wasserschlauch, während sie sich den Mantel von den Schultern nahm und versuchte nach Luft zu ringen. Die Hitze war auch ohne ihre dicke Kleidung allgegenwärtig und so war es nur schwer bei ihrer Überhitzung, die ihr Buchstäblich ins Gesicht geschrieben stand, etwas abzukühlen. Der Fremde griff in eine seiner Hosentaschen und holte ein altes, etwas schmuddliges Stofftuch hervor, welches er in Wasser tränkte und ihr auf die Stirn legte.
„Hast du nichts dünneres zum Anziehen hier? So wirst du noch austrocknen und aus den Schuhen kippen.“ Meinte der Fremde zu ihr, während er fast mühevoll und freundschaftlich versuchte ihr dabei zu helfen, etwas abzukühlen. „Unwichtig. Wer bei allen Wüstendämonen seid ihr eigentlich?“ „Nich’ unwichtig und sag bloß du hast mich vergessen.“ Er grinste sie an, hoffte wohl das auf diese Geste etwas in ihr reagierte und ihn erkannte, als sie ihn aber weiter nur mit unverständlichem Blick ansah erlosch das Grinsen recht rasch und wandelte sich in ein Stirnrunzeln. „Hast es echt vergessen, hrm?“ Sie nickte einige Male so heftig, das dadurch der nasse Lappen von ihrer Stirn hinab in ihren Schoß fiel. „Ganz offensichtlich. Also?“
Es dauerte einen Moment in dem das Stirnrunzeln nicht aus dem Gesicht des Fremden weichen wollte und in dem er sich dann langsam neben die Stygin auf die Stufen setzte. „Sagt dir der Name Linodas was?“ meinte er dann mit recht ernstem Gesichtsausdruck zu ihr. Sie schien einen Moment zu überlegen, ehe sie schlicht den Kopfschüttelte und versuchte das Gesicht des Mannes mit diesem Namen in Verbindung zu bringen. Einen Moment noch sah sie der Fremde mit tot ernstem Gesichtsausdruck an, ehe er in schallendes Gelächter ausbrach und meinte: „Is’ ja auch nicht mein Name.“ Er schien das ganze sehr witzig zu finden, während sich Amenteth nur langsam etwas genervt von ihm fühlte und daran machte sich zu erheben. „Ich denke ich weiß jetzt warum ich euch vergessen habe.“ Gab sie in einem deutlich genervten und abweisendem Ton von sich. „Nee, warte. Dachte nich’ dass du das so ernst nimmst. Deinen Sinn für Humor haste wohl auch vergessen, hrm?“ Mit einem Seufzen und immer noch deutlich gerötetem Gesicht versuchte sie recht autoritär vor dem Mann zu stehen. „Komm, setz dich halt wieder. Ich erzähl’s dir ja.“ Amenteth’s Blick wanderte kurz zum Ende des Gasse zurück, aus der sie mit dem Mann zusammen hierher gekommen war. Unschlüssig, ob sie sich wieder auf diesem Sklavenhandelsplatz auf die Suche machen, oder doch diesem abgebrochenen Spaßvogel zuhören sollte. Am Ende entschied wohl ihre Neugierde und sie setzte sich wieder auf die Stufen.
„Mein Name is’ Hadar. Sagt dir das was?” Wieder schüttelte sie den Kopf und machte sich schon darauf gefasst, erneut von ihm auf den Arm genommen zu werden, doch er blieb ernst. „Wir sind vor nicht ganz zwei Jahren ne lange Zeit zusammen durch die Gegend gezogen. Erinnerst dich gar nicht mehr?“ Wieder schüttelte sie den Kopf, wollte etwas fragen, aber alle Fragen die sie hätte stellen können, warfen nur noch mehr in ihr auf, die sie im Moment nicht hatte ertragen können. Kopfschmerz breitete sich langsam bei ihr aus und ihr Blick wanderte einen Moment unschlüssig umher, während sie etwas die Augenbrauen zusammen zog. „Was ist mit dir denn passiert, dass du das alles vergessen hast?“ Auf die Frage musste nun sie leicht schmunzeln, auch wenn es eher etwas gequält wirkte, als denn wirklich amüsiert. „Genau das will ich herausfinden.“ Der Fremde nickte einige Male eher den Kopf schüttelte. „Und dazu kommst’ nach Luxur? Hier warst’ vorher doch noch nie, sagtest du zumindest früher.“ Sie kniff die Augen zusammen und versuchte sich davon abzulenken das es langsam in ihrem Schädel immer heftiger zu hämmern begann. Während sie wohl mehr sich selbst beschwichtigend immer wieder leicht die Hände hob und wieder senkte meinte sie: „Könnten .... könnten wir das Ganze bitte von Vorne aufrollen und nicht irgendwo mitten drin?“ „Klar könnten wir das...“ Meinte Hadar, während er sich langsam von der Treppe erhob. „Aber nicht hier auf der Straße und nicht solange du dich nicht umgezogen hast. Wo sind deine Sachen?“ „Auf meinem Pferd.“ Entgegnete sie ein wenig müde wirkend und hielt immer noch die Augen geschlossen, hörte sicher nur wie er sich erhob. „Und wo is’ das?“ „Steht in einer anderen Gasse zwischen ein paar anderen Pferden, etwas abseits vom Markt.“ Ein Seufzen lag in ihren Worten, so als hätte sie gerade überhaupt keine Lust dazu diesem Mann zu sagen, wo sich ihre Sachen befanden, doch seine Energie schien unerschöpflich und so versuchte er sie wieder auf die Beine zu ziehen, während er nach ihrem abgelegten Mantel griff. „Na komm, holen wir den Gaul.“ Wäre sie der Typ Mensch gewesen, der jammert, sie hätte es wohl getan. So seufzte sie nur und lies sich von diesem Kerl erneut die Gasse entlang schleifen.
Jard hatte kurz gescheut als der Fremde auf ihn zugetreten war, lies sich dann aber, als seine Herrin beruhigend ihre Hand an seinen Hals legte widerstandslos mit sich führen. Sie waren eine Weile durch die wirren Gassen und Straßen gelaufen, die abseits der prachtvollen Häuser verlaufen waren. Irgendwann waren sie an einem Gasthaus entlang gekommen und nur kurz hatte Hadar inne gehalten, sich dann aber scheinbar doch anders entschieden und Amenteth weiter geführt. Zu einer kleinen, unscheinbaren Hütte zwischen zwei anderen etwas größeren Häusern. „Is’ nich’ viel, aber gehört wenigstens mir.“ Meinte er, als er die schwere Holztür nach innen aufdrückte. Amenteth indes hatte Jard an einen aus der Mauer hervorstehenden Haken gebunden und ihm noch einmal, wie als Zusicherung sacht über den Hals gestrichen, ehe sie ein kleines Bündel vom Sattel des Tieres losband und mit diesem vorweg vor dem Mann in die Hütte getreten war.
Im inneren gab es nicht viel. So etwas wie einen Ofen, eine Kochstelle viel eher. Ein Tisch bildete jedoch das Zentrum des Raumes. Zwei einfache Holzstühle standen an diesem und in der hinteren rechten Ecke zeichneten sich die Umrisse einer Kommode ab. Erst als Hadar die Vorhänge die vor dem einzigen Fenster in diesem Raum hingen, welches gegenüber der Tür lag, bei Seite zog und das Tageslicht ins Innere fiel konnte man erkennen, dass das Haus, oder die Hütte eigentlich mehr ein einzelner Raum war. Links von dem Tisch ging eine kleine Nische ab, in der man das Fußende eines Bettes hinter einem dünnen Vorhang erahnen konnte. Einige Regale waren an den Wänden befestigt und hier und da konnte man einige Trophäen oder etwas dergleichen sehen, die fein säuberlich auf diesen angeordnet waren. Wohl auch das einzige, das er als Wert erachtete, das es in Ordnung gehalten wurde, denn als das Licht auf diese kleine Kochstelle direkt zu ihrer rechten fiel, konnte man sehen, wie sich der Abwasch und Essensreste von sicherlich mehreren Tagen stapelten. Auf der Kommode, die sich bereits im Halbdunkel abgezeichnet hatte, konnte man nun eine recht große und schwere Axt sehen, die ebenso wie die Trophäen, die sich an den Wänden befanden, recht gepflegt wirkte.
Amenteth stand etwas unschlüssig im Raum ehe Hadar zu der Nische trat und den Vorhang etwas bei Seite schob. „Wenn du willst, kannst dich da umziehen.“ Sie nickte nur und nahm ihr Bündel etwas fester in die Hand als sie in dem kleinen Raum neben dem Hauptzimmer verschwand. Sie war sich selbst nicht ganz sicher was sie hier eigentlich tat. Sie kannte diesen Mann nicht. Vielleicht belog er sie, vielleicht wollte er sich für etwas, das sie in ihrer Vergangenheit getan hatte nun rächen, als er erkannt hatte, das sie sich nicht erinnerte. Vielleicht würde er sie, in einem unbeobachteten Moment von hinten mit dieser riesigen Axt die dort in dem Raum nebenan auf dem Schrank lag enthaupten. Sie stellte sich mit dem Rücken an die Wand als sie begann sich zu entkleiden. Versuchte immer wieder den Durchgang im Auge zu behalten. Von der anderen Seite des Vorhangs konnte man wildes Geschepper und unruhige Bewegungen vernehmen, doch schien Hadar sich gar nicht weiter darum zu stören, das sie sich hier im Nebenraum entkleidete. Sie dachte einen Moment nach. Wenn er ihr wirklich hatte ans Leder wollen, warum hatte er das dann nicht getan, als sie taumeln und kurz vor dem Zusammenbruch stehend in der Gasse gestanden hatte? Nicht alle Menschen waren schlecht, auch wenn sie immer als erstes davon ausging. Sie seufzte auf ihre eigene Erkenntnis als man von nebenan seine Stimme hörte. „Hast du was gesagt?“ Sie schüttelte kurz den Kopf, als sie sich mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht die deutlich dünnere Seidentunika überwarf und den Gürtel kurz darauf wieder um ihre Taille band. „Nein. Nichts.“ Gab sie knapp zurück. Plötzlich kam in ihr eine Frage auf, die sie sich die ganze Zeit über noch nicht gestellt hatte. „Wie habt ihr mich eigentlich erkannt?“ Man hörte wie er kurz in seinem Geschepper und Geraschel inne hielt ehe eine fast etwas zaghafte Antwort kam. „Äh ... ich kenn’ dich in solchen Sachen und .. äh.. deinen Arsch vergisst man nicht so leicht.“ Sofort nahmen die Geräusche von nebenan noch eine etwas hektisch wirkendere Tonlage an und sie schien so verdutzt über die Antwort, das sie beim Zubinden ihrer Stiefel kurz stockte. „Verstehe.“ Gab sie dann aber nur knapp von sich und versuchte diese Aussage einfach zu vergessen, vorerst.
Als sie die Kleidung angelegt hatte und die dicken, nordischen Sachen in dem Bündel verstaut waren, trat sie wieder in das Hauptzimmer zurück. Hadar war noch damit beschäftigt die letzten Reste seiner ihm wohl vollkommen bewussten Unordnung zu beseitigen, als sie sich langsam auf einen der Stühle am Tisch setzte. Als er das knarren des Stuhles vernahm hielt er kurz inne und wandte sich dann zu ihr herum. „Willst du was trinken, sicher oder? Irgendwo hier hab ich noch nen Wasserschlauch rumliegen.“ Wieder drehte er sich herum und begann in den Dingen die bei der Kochnische lagen zu wühlen, als ihre Stimme deutlich entspannter hinter ihm ertönte. „Macht euch keine Mühe. Ich würde nun lieber hören, woher wir uns kennen.“ Er richtete sich langsam wieder auf und mit einem Seufzen drehte er sich nun zu ihr herum. Sein Gesicht wirkte ernster, vielleicht auch etwas älter auf einmal und irgendetwas in ihr sagte ihr, das es sein schlechtes Gewissen war, das sich dort in seinem Gesicht abzeichnete. Langsam trat er auf den Tisch zu uns setzte sich....
~ fortsetzung folgt ~