Keine Träume - 1 bis 4 (Amenteth Charaktergeschichte - Age of Conan)

 

 

Teil 1

Vor ungefähr einem Jahr 

Wüstenwind, die stechende Sonne am Himmel und die Sandkörner unter ihren Füßen, während sie über die Straßen dieser bekannten Stadt wanderte. Sie hatte sich bei niemandem verabschiedet. Sie hatte niemandem gesagt wohin sie gegangen war oder warum. So konnte es nicht weiter gehen, das war das einzige das sie gewusst hatte als sie sich auf die Reise gemacht hatte. Sie hatte Menschen verletzt, hatte sich von anderen verletzen und benutzen lassen. Hatte einer Wahnvorstellung hinterher gejagt von einem perfekten Menschen, der nur für sie erschaffen worden war. Träumerin, das war sie gewesen, obwohl sie wusste das sie mehr gesehen hatte, als es ihre Träume ihr bis dahin gezeigt hatten. Das erste was sie getan hatte, war in die Wüste aufzubrechen. Sie wollte diese Palme finden, die Ruinen dieses Hauses, die ihr mittlerweile wieder so klar vor Augen waren, als hätte sie diese Bilder nie vergessen.

 

Es gab sicherlich viele dieser Häuser, die mittlerweile vielleicht vom Sand überdeckt waren. Die einst eine intakte Familie beherbergt hatten und die zerstört worden waren aus Habgier, Neid oder Wut eines außenstehenden Menschen. Doch sie wollte nur eines davon finden. Eines, mit einer Palme, die vielleicht vom Feuer geschwärzt, oder vollkommen verkohlt in der Wüste stand. Etwas, das sich abzeichnete von dem Rest der Dünen. Und beginnen wollte sie diese Suche in Koshep. Die Provinz sollte eine der Anlaufstellen ihrer Reise werden, ein Punkt auf dem Weg den sie passieren würde, denn sie wusste das es lange dauern würde, diese Reise in ihre Vergangenheit abzuschließen. Wenn diese Reise, dieser Weg denn überhaupt je ein Ende finden konnte.

 

Als das Schiff am Steg anlegte, sie von Bord stieg und sich einen Moment nur umsah, wurde ihr Herz schwer. Hier lagen Erinnerungen die sie nicht vergessen konnte. Die jünger waren als das, was sie vergessen hatte. Die sie auch nicht vergessen wollte in manchen Momenten. Das Wasser spiegelte die langsam sinkende Sonne wieder und der Anblick wäre wohl für jedes andere Auge schön gewesen, wenn sie selbst nicht schon lange den Blick für dieses Schauspiel verloren hätte.

 

Das Pferd das sie vor noch gar nicht so langer Zeit gekauft hatte führte sie neben sich her und versuchte dabei ein Gesicht unter den Bewohnern des Dorfes zu finden, das ihr etwas sagte, das ihr irgendein Gefühl der Vertrautheit schenkte, doch gab es scheinbar niemanden hier, der ihr unbewusst bekannt erschien.

 

Eine alte Frau dann war es, die sie ansprach. Sie fragte nach einem Vorfall vor einigen Jahren. Fragte ob es hier in den Wüstendünen einmal ein Haus gegeben hatte, das von einem Feuer oder etwas ähnlichem verschlungen worden war. Skepsis wurde ihr entgegen gebracht und auf die Frage warum sie sich dafür interessieren würde, gab sie nur ein knappes “Ein Mann aus Khemi verlangt nach dieser Information.“ von sich. Nach einigem Hin und Her dann erfuhr sie doch, das es in den Dünen etwas abseits des Ortes einige Bauernhäuser gegeben hatte. Heute waren sie verlassen, aber eines davon war vor einigen Jahren einem „Vorfall“ zum Opfer gefallen. Was für ein Vorfall es gewesen war, oder was genau die anderen Bauern dazu veranlasst hatte fortzugehen erfuhr sie nicht.

 

Der Weg würde sie ein wenig Zeit kosten und so machte sie sich nach einem kurzen Dank daran dieses Haus am Rand der Dorfes, in den Dünen versteckt, zu finden.

 

 

Teil 2

 

Es war ein etwas längerer Fußweg. Nach kurzer Zeit hatte sie den Trampelpfad verlassen müssen, aber war der Weg nicht schlecht beschrieben gewesen und somit die verlassene Hütte nicht schwer zu finden. Die Oase die sich etwas weiter im Landesinneren befand war von einem Dünenhügel aus zusehen gewesen, doch das Dorf in dem sie den Weg erfragt hatte befand sich hinter einigen Steingebilden und blieb für das bloße Auge unerschlossen.

 

Als sie näher an die Ruinen des Hauses getreten war, war ihr bereits aufgefallen, das es sich nicht um das Haus aus ihren Erinnerungen gehandelt hatte. Die Reste eines Zaunes der einst aus Holz und Stein gefertigt worden war, ragten noch aus dem Sand, der sich langsam aber sicher daran machte das Haus unter sich zu begraben. Die Holztür die in die Ruine geführt hätte wackelte unter leisem quietschen immer wieder bei jeder Windböe ins Innere und die Fenster starrten wie leere schwarze Augenhöhlen der Stygierin entgegen.

 

Sie hatte einen recht langen Moment vor diesen Überresten eines Lebens gestanden. Vielleicht waren es Erinnerungen gewesen die ihr in diesem Moment durch den Geist gewandert waren, oder aber es waren nur die dunklen Fenster, die nichts vom Inneren des Hauses preis gaben, die sie fesselten. Was auch immer es war, mit einem energischen Kopfschütteln dann hatte sie ihren Weg fortgesetzt.

 

Aus der Ferne war nichts mehr zu entdecken auf dieser Ebene, doch wusste sie ja, dass das Haus das sie suchte nicht mehr intakt war. Das es ein Feuer gegeben hatte, also ging sie weiter. Nur wenige Minuten verstrichen, ehe etwas in der Ferne erkennbar wurde. Anfangs mehr wie eine schwarze Linie auf rotem Untergrund wurde es dann mit jedem ihrer Schritte klarer.

 

Wie ein schwarzer Zweig den man in den Boden gerammt hatte ragten die verkohlten Reste einer Palme empor. Erst wurden ihre Schritte langsamer, als sie erkannte was sich dort aus dem Sand erhob. Die Palmblätter die dieser Baum einst getragen hatte waren schon lange Vergangenheit. Nur noch ein Schatten ihrer selbst war die Pflanze heute. Einen Moment war sie stehen geblieben, hatte es fast gewirkt als hätte sie umdrehen wollen als sie einen Blick zurück in die Richtung warf, aus der sie gekommen war. Dann jedoch begann sie loszulaufen, rannte am Ende die letzten Schritte auf dieses Stück verkohltes Holz zu.

 

Einen Moment außer Atem sankt sie auf die Knie und legte eine Hand an die geschundene Rinde des Baumes. Risse der Hitze zeichneten sich auf der Hülle ab und da niemand mehr da gewesen war um für dieses bisschen Grün in den Dünen zu sorgen, war auch der letzte Wille sich der Wüste zu widersetzen in der Pflanze gestorben irgendwann. Ein vertrockneter, verkohlter Baum im Sand, mehr war es nicht was übrig war an diesem Ort.

 

Eine ganze Weile hatte sie nur dagesessen und sich an dem Baumstumpf gelehnt. Die Augen hatte sie geschlossen gehalten und in ihrem Gesicht hätte wohl niemand ablesen können, was in ihr vorging. Auch als sie diese öffnete und begann im Sand zu graben, war nichts weiter an ihr abzulesen gewesen als blanke Sturheit. Der Wunsch, der Wille noch etwas mehr zu finden, als nur ein paar verkohlte Palmenreste. Mit bloßen Händen hatte sie gewühlt, hatte sie den Sand hinter sich geworfen und gegraben, bis sie zusammen gezuckt war, ihre Hand fest an ihren Körper gepresst hatte.

 

Blut rann an ihrer Hand hinab. Nicht viel, doch schien sie sich an etwas geschnitten zu haben. Und nun etwas vorsichtiger und fast schon behutsam wirkend strich sie wieder durch den Sand bis sie in Händen hielt, was der Sand vor einiger Zeit schon unter sich begraben hatte. Eine simple Tonscherbe hielt sie empor, betrachtete diese fast als wäre es ein Artefakt, wertvoller als mancher Schatz, den die Priester in den Tempeln hüteten. Für einen Außenstehenden hatte es sicher bizarr gewirkt, hätte jeder andere es als Müll betrachtet, doch nicht sie, nicht an diesem Ort.

 

Stunden waren vergangen in denen sie im Sand gewühlt hatte und immer mehr zum Vorschein gekommen war. Ein paar weitere Scherben, ein paar Ziegelsteine, einige Holzreste, aber am Ende genug für sie um zu wissen, das hier ein Haus gestanden haben musste, ihr Zuhause gestanden haben musste.

 

 

 

Es begann bereits zu dämmern als sie sich der Kawanserei näherte. In der Oase hatte sie sich den Dreck von den Fingern, das verkrustete Blut von der Hand gewaschen und sich dann immer noch etwas gebeugt und ausgezerrt wirkend auf den Weg gemacht, den kleinen Hügel hinauf. Die Nacht würde sie hier verbringen, das war sicher. Doch vielleicht konnte sie hier, wo so viele Reisende sich frisches Wasser und Nahrung für die Wüste beschafften etwas mehr erfahren von dem Grund warum das andere Haus verlassen wurde.

 

Nach einigem Umherfragen und etwas Gold fand sie dann einen, der ihr die Geschichte erzählte...

 

 

Teil 3

 

Es gab dort einst zwei Familien. Die eine hatte viel erfolg mit ihren Ernten, war strebsam und brachte aus diesem trockenen Land das Beste hervor was man nur hervor bringen konnte. Die Ziegen gaben jeden Tag viel Milch und die Familie hatte nur selten das Problem bei den hohen Steuern noch genug für sich selbst übrig zu behalten. Diese Familie hatte zwei Töchter, die ältere von beiden war die hübschere, so erzählt man sich. Dennoch hatte sie es wohl bis zu diesem Tag nicht geschafft einen Mann an ihre Seite zu bringen. Man munkelte dass sie für etwas anderes bestimmt war, doch konnte das niemand wirklich genau sagen. Die jüngere von beiden war keineswegs hässlich, aber etwas klein und dürr geraten. Sie kam an die Schönheit der älteren nicht heran. Dennoch, der Sohn der Familie die auf dem anderen Hof lebte, hatte wohl ein Auge auf sie geworfen und die beiden waren wohl dabei Pläne für ihre gemeinsame Zukunft zu schmieden.

 

Doch so gut wie die Geschichte beginnt, so endet sie nicht. Die jüngere Tochter des Hauses sollte verheiratet werden, so wurde es in dem nahen Dorf erzählt. Ein schreckliches Unglück für sie und den Jüngling, den sie liebte. Jedoch war der Mann den sie heiraten sollte ein recht wohlhabender Landbesitzer und so hätte der Vater der beiden Mädchen ihnen ein sicheres Leben schenken können, ohne Hunger oder Armut, sollten er und seine Frau eines Tages dahinscheiden. Doch das Schicksal wollte es anders.

 

Eines Abends, die Dunkelheit hatte sich gerade erst über den Himmel ausgebreitet und die Dämmerung war noch ein wenig am Horizont zu sehen, da stiegen Flammen aus dem Haus des Bauern. Die Nachbarn, welche die Flammen und den Rauch hatten aufsteigen sehen eilten zum Haus hinüber, aber es war bereits zu spät. Alles brannte, selbst die Palme die seid dem Tag an dem dieses Haus dort erbaut worden war herangewachsen war, stand lichterloh in Flammen. Nichts und niemand hätte aus diesem Inferno entkommen können.

 

Der Sohn, der Geliebte der Jüngeren, war an diesem Abend nicht Heim gekehrt und auch die Nächte darauf hatte man ihn nicht wieder gesehen. Man vermutete irgendwann dass auch er an diesem schrecklichen Abend in dem Haus gewesen sein musste.

 

Man versuchte weiter zu leben, aber die Ruinen des Hauses ließen es nicht zu. Tagsüber waren es einfache Ruinen, von dem Ruß und der Asche gezeichnet. Aber nachts, nur nachts konnte man das leise Jammern und Klagen, Geräusche als würde ein Mensch aufschreien, bis hinüber zu den Nachbarhäusern hören. Heute erzählt man sich das der Ort verflucht sei und das die Seelen die in diesem Haus verbrannten keine Ruhe finden können, da ihnen etwas schreckliches zugestoßen sein muss. Nur der verkohlte Stumpf der Palme zeugt noch davon, dass dort einst mehr war als Wüste.

 

Der andere Bauer und seine Frau zogen nach einer Weile davon, als sie die Hoffnung verloren, dass ihr Sohn noch nach Hause zurück kehrt. Auch ihr Haus steht heute nur noch als Ruine im Sand und wartet darauf zu einer Sanddüne zu werden.

 

 

......

 

 

Was man glaubt das an diesem Abend passierte? Oh, da gibt es viele Geschichten. Die einen sagen, das der junge Mann mit seiner Geliebten versuchte mit den Eltern zu sprechen, das ein Streit entbrannt und das der Jüngling in seiner Wut und seiner Verzweiflung alle umbrachte und am Ende den Freitod in den Flammen suchte.

 

Die anderen behaupten, dass der Vater dem Jungen seine bitte erfüllen wollte und das darauf der wohlhabende Herr die fünf in dem Haus einsperrte und bei lebendigem Leib verbrennen lies.

 

Wieder andere behaupten, dass sie die Tochter des Hauses haben fliehen sehen und das sie und ihr Geliebter ihre Familie ermordet haben um weit entfernt von hier gemeinsam leben zu können.

 

Es gibt sehr viele Geschichten darüber, aber ob eine davon stimmt, wissen wohl nur die Toten selbst.

 

 

.....

 

 

Nein. Nein, man hat versucht die Leichen zu bergen, aber es war wohl am Anfang zu heiß, die Glut und die Asche noch zu sehr am Glimmen und später, hätte man wohl einen Knochen nicht einmal mehr von einem Tischbein unterscheiden können, so verkohlt und zerstört war alles. Aber sagt mir, warum fragt ihr nach dieser Geschichte?

 

„Ein Mann aus Khemi interessiert sich für diese Informationen.“

 

 

Teil 4 

 

In der Nacht also sollte man Stimmen und Geschrei hören von diesem Ort. Die Dunkelheit hatte sich bereits ausgebreitet, aber sie war zu erschöpft, zu aufgewühlt und nun zu müde gewesen um sich noch einmal durch die Wüste zurück zu kämpfen. Doch sie hatte Zeit. Wenn sie eines hatte in diesen Tagen nun, dann war es Zeit.

 

In der Nacht in ihrem Lager nahe der Oase waren es sicher viele Dinge die ihr durch den Kopf gingen. Doch vor allem war es die Tatsache, das keine der Geschichten die dieser Mann ihr erzählt hatte der Wahrheit entsprach. Der Jüngling war nicht zu dem Haus zurück gekehrt, zumindest nicht in ihrem Traum. Dort war sie alleine gewesen, war davon gerannt aus einem Grund den sie ahnte, aber noch nicht wirklich kannte. So sehr sie es auch versuchte, aber sie konnte nicht glauben das dieser Mann aus ihren Träumen versucht hätte sich durch die Flammen ins innere des Hauses zu kämpfen.

 

Woran sie sich erinnerte waren die zerschlagenen Tongefäße vor dem Haus, waren die Fußabdrücke im Sand. Eine innere Stimme schrie ihr förmlich zu, das diese ihr einst so vertrauten und lieben Menschen nicht in den Flammen gestorben sein konnten. Der Schlaf überfiel sie irgendwann über diese Gedanken hinweg und der neue Morgen brachte keine anderen Erkenntnisse.

 

So machte sie sich auf den Weg zurück zu diesem kleinen Dorf am Anleger des Kais und versuchte dort mehr zu erfahren von den Dingen die sich vor einigen Jahren zugetragen hatten, doch als sie keinerlei erfolg hatte, wollte sie einfach beginnen auf die Nacht zu warten. Sie beobachtete die Bewohner bei ihrer Arbeit, saß nur im Schatten einer Palme und betrachtete das tägliche Werk, das sich an diesem Ort abspielte. Niemand sprach sie an oder versuchte zu erfahren warum sie nur dasaß, hin und wieder etwas trank und ansonsten keinen Laut von sich gab. Sie wirkte auch nicht, als wäre ihr Gesellschaft recht und so verstrich der Tag fast tatenlos, ohne das sie etwas näheres erfuhr. Nichts besonderes geschah, außer bis zu dem Moment da ein Mann vom Anleger in Richtung Wüste wanderte.

 

Die Reaktionen der Bauern und Bewohner auf ihn war seltsam. Einige schüttelten den Kopf, andere sahen ihm misstrauisch hinterher, aber alles in allem waren die Reaktionen ein kurzes Zwischenspiel das bei den meisten auch schon gewohnt wirkte. Mit einem kurzen „He, ihr da“ rief sie einen vorbeischlendernden Bauern zu sich und fragte, wer der Mann sei.

 

“Er kommt oft hierher. Immer ohne seine feinen Gewänder. Ihr kennt ihn nicht? Er arbeitet in einem der Tempel in Khemi. Ich denke er ist einer der Priester oder ein Anwärter auf diesen Posten. Er geht immer in die Wüste und kehrt erst am nächsten Morgen zurück.“

 

Mit einem sich einige Male wiederholenden Nicken entlies sie den Bauern wieder in seine Arbeit und sah dem Mann der die kurze Monotonie des Ortes unterbrochen hatte hinterher. Er war nicht wichtig für sie, sie überlegte zwar ihm nachzugehen für einen kurzen Augenblick, dennoch war es am Ende nicht genug Wille um sich erneut in die Wüstenhitze hinaus zu bewegen.

 

Als die Abenddämmerung dann jedoch begann die Luft merkbar abzukühlen und die Bürger des Ortes sich in ihre Häuser zurück zu ziehen, die Straßen sich langsam leerten, da war auch sie es, die sich langsam auf den Weg in die Wüste machte. Der Mond begann bereits aufzugehen, als sie sich langsam der Ruine des noch bestehenden Hauses näherte. Der riesige Mond am Himmel warf so fiel Licht auf den Wüstensand hinab, das es leicht war diesen Schemen nahe der verkohlten Palme zu entdecken.

 

Fast erschrocken hatte sie inne gehalten und das Pferd daran gehindert sich aufzubäumen. Ein paar rasche Schritte hatten sie hinter der Ruine Sichtschutz finden lassen und so band sie das Pferd an einen kleinen Haken der dort noch immer recht fest mit der Wand verbunden zu sein schien.

 

Mit leisen Schritten schlich sie sich durch die nacht dem Schemen näher. Wenn die Gerüchte stimmten, hätte es auch ein Dämon sein können, der dort diesen Ort ihrer Kindheit entweihte. Oder ein Geist, der ihr vielleicht mehr sagen konnte von dem, was hier wirklich geschehen war. Doch das Risiko direkt gesehen zu werden und somit vielleicht ins offene Messer zu laufen wollte sie nicht eingehen.

 

Als sie näher kam erkannte sie einen Mann der sich über die Fundstücke, die sie ausgegraben hatte beugte. Er hob einige der Dinge auf und betrachtete das Loch im Sand, das von ihr gegraben worden war. Wut war in seinen Augen abzulesen. Worauf er wütend war, konnte man schwer erahnen. [i]Hatte er etwas damit zu tun, oder dachte er, das sich hier Grabräuber zu schaffen gemacht hatten?[/i] So nahe wie möglich, jedoch vorsichtig genug um nicht entdeckt zu werden, verstecke sie sich hinter einem der Felsen. Der Mann blieb eine ganze Weile an dem Ort, lehnte sich an die Palme und schaute zum Himmel. Sein Gesicht konnte sie nicht erkennen und somit auch keine seiner Regungen einschätzen. Alles was sie sah war ein Mann der auf etwas oder jemanden zu warten schien. Vielleicht auf denjenigen, der dieses Loch in den Sand gegraben hatte.

 

Auch Amenteth bliebt eine ganze Weile noch in der Nähe, doch irgendwann war sie das stille Beobachten leid und schlich sich wieder, so leise wie sie gekommen war davon. Bei der Ruine setzte sie sich auf ihr Pferd und eilte wieder ins Dorf zurück. Vielleicht würde sie diesen Mann irgendwann einmal treffen und fragen was er dort zu suchen hatte, doch solange sie nicht wusste was genau ihrer Familie wiederfahren war, solange würde sie es auch nicht wagen zu erwähnen, das dort einst ihr Zuhause gestanden hatte.

 

Und eine weitere Nacht verbrachte sie in der Kawanserei an dieser Oase in der Wüste Stygiens.

 

~ fortsetzung folgt ~

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