Träume - 1 bis 10 (Amenteth Charaktergeschichte - Age of Conan)

Teil 1

Ich erinnere mich nicht an viel. Nachts in meinen Träumen jedoch sehe ich was mich einmal umgab, was ich einmal war bevor ich zu dem wurde was ich heute bin. Eine Frau, eine Stygierin ohne wahre Heimat.

 

Nachts in meinen Träumen sehe ich den roten Sand über den ich einmal ging. Ich erinnere mich an das Knirschen der Sandkörner unter meinen Füßen. Ich erinnere mich an die heiße, trockene Luft am Tag und die kühlen Winde in der Nacht die über die Dünen fegten.

 

Ich sehe die Bilder der Oasen an denen ich entlang wanderte.

 

Gesichter die sich vor mir aufbauen, doch kann ich sie nicht zuordnen. Weiß ich nicht wer sie sind oder welche Bedeutung sie einmal hatten. Scheint es auch einerlei zu sein, denn sie sind nicht mehr in meiner Gegenwart wenn ich erwache.

 

Doch so sehr ich auch die Bilder der Wüste in meinen Träumen genieße, so sehr erwarte ich auch die, die ich sehe ehe ich erwache. Die Bilder die mich aus der Schönheit reißen und die Realität zurück treiben.

 

Bilder von Männern und Frauen die unter meiner Hand fielen. Bilder der Menschen die durch meine Klingen ihren Tod fanden. Ich sehe ihr Blut mir entgegen spritzen und weiß das dies genauso geschah wie mein Gang durch die Wüste an der Seite dieser Fremden.

 

Wenn ich erwache ist es wie zuvor. Sehe ich die Bilder noch vor mir und weiß das ich dort einmal war. Weiß das es eine Erinnerung hinter den Schleiern des Wüstensturmes ist. vielleicht eines Tages werde ich mich erinnern wer oder was ich einmal war bevor ich meine Dolche fand.

 

Doch bis zu diesem Tag werde ich weiter nach jedem Erwachen meinen Schleier anlegen, werde das Tuch mein Gesicht verhüllen lassen wenn ich aus der Tür hinaus trete. Ich bereue nicht einen der unter meinen Klingen gefallen ist. Wer im Kampf nicht bestehen kann gegen mich, der ist es auch nicht wert weiter zu existieren. Denn was schon kann eine verlorene Assassine so stark machen das niemand sie bezwingen könnte?

 

Ich kämpfe nicht für Ruhm, denn niemand kennt meinen Namen oder mein Gesicht wenn ich an ihnen vorbei ziehe und ebenso kennt niemand all das, wenn ich meine Dolche durch die Feinde, Gegner, Opfer gleiten lasse.

 

Alles was ich will ist euer Gold. Alles was ich will ist einen Platz. Alles was ich will ist einen Ort in der Wüste den ich am Tage meines Todes als Heimat bezeichnen kann. Einen Ort in der Wüste an dem ich die von der Sonne heißen Sandkörner wieder unter meinen Füßen knirschen hören kann. An dem ich wieder den kühlen Wind der Wüste auf der Haut spüren werde, wenn er vor meinem Haus entlang fegt.

 

Und eines Tages werde ich das erreichen. Egal was sich mir noch in den Weg stellt...

 

 

Teil 2 

Ich saß im Schatten einer Palme, es war heiß an diesem Tag, ich spürte kleine Schweißperlen meinen bedeckten Rücken hinab rinnen. Das Tuch das ich um meinen Kopf gewickelt hatte um mich vor der brennenden Sonne zu schützen wurde langsam feucht.

 

Der Schatten war angenehm, doch ließ er die Luft nicht feuchter und den Wind nicht wirklich kühler werden.

 

Irgendwo hinter mir hörte ich Schritte im Sand und wieder sah ich in das Gesicht dieses langsam alternden Mannes der mich in meinen Träumen schon lange begleitete.

 

Er sprach zu mir, doch verstand ich nur den Namen bei dem er mich nannte. "Amenteth.."

 

Alle Laute die danach seine Lippen verließen verschleierten sich wieder hinter dem Rauschen das mir langsam wohl bekannt war. Ich sah ihm zu wie sich seine Lippen bewegte, doch konnte ich selbst dort nicht erkennen was er mir zu sagen hatte. Er schien mir vertraut, wie ein Duft den man, wenn man ihn auch Jahre nicht wahrgenommen hatte doch als angenehm empfand, dieser Erinnerungen an warme Gedanken weckte.

 

Eine weile beobachtet ich den Mensch der mir dieses Gefühl schenkte, doch schwanden die Bilder dann irgendwann und ich wusste was folgen würde. Ich sah es doch mittlerweile fast jede Nacht vor meinen Augen. Als würden diese Träume aus vergangenen Zeiten versuchen mir meine Erinnerungen aufzuzwängen.

 

Wieder diese Palme, in deren Schatten ich mich noch einige gefühlte Momente vorher ausgeruht hatte stand in Flammen. Der alte Mann war fort, spürte ich das man mir noch mehr entwissen hatte, doch wusste ich nicht was es sein könnte. Wollte diese Erinnerung einfach nicht zu mir zurück kehren.

 

Ein Haus aus Lehm und Ziegeln gefertigt lag vor meinen Füßen in Trümmern,Krüge und Geschirr in Scherben über den Boden verteilt. So viele Fußspuren die ich vor mir dort im Staub sah, der kühle Wind der nahenden Nacht langsam verwehte. Ich spürte wie sich meine Augen mit salzigen Tränen füllten, doch wusste ich genau das es nur ein Traum war, ich bald erwache würde, erwachen musste.

 

In dieser Nacht jedoch schlief ich länger, rissen mich diese Trümmer nicht aus den Träumen. Spürte ich wie mich etwas von diesem Ort hinfort zerren wollte. In der dunklen Nacht der Wüste rannte ich über den noch warmen Sand hinweg. Spürte ich wie meine Beine begannen zu brennen. Spürte ich wie ich immer mehr den Halt in dem weichen Sand unter meinen Füßen verlor.

 

Ich spürte das ich fiel irgendwann als meine Kraft mich verlies. Spürte wie ich in den feinen Sand viel, meine Augen bereits feucht von den Tränen die ich vergossen hatte. Was auch immer es gewesen war vor dem ich dort geflohen war, die Angst davon gefangen zu werden holte mich wieder ein als ich erwachte...

 

 

Teil 3

Da waren mehr Träume in dieser kurzen Nacht, mehr Träume als ich erwartet hatte in so kurzer Zeit zu sehen.

 

Ich sah mich selbst auf diesem Schiff. Ich spürte den Wellengang. Jedes Mal wenn eine dieser Brecher an die Seite des Schiffes prallte. Ich hörte das schlagen der Peitsche immer wieder, wie diese auf die verschwitzte Haut der Ruderer traf. Das leise, manchmal lautere Geräusch das die Männer dabei von sich gaben.

 

Es könnte schlimmer sein. Das versuchte ich mir immerzu einzureden, wusste jedoch zugleich das es auch tausendfach besser sein könnte als an diesem Ort sitzen zu müssen.

 

Ich hätte zu gerne gewusst ob noch andere Mädchen wie ich auf diesem Schiff waren. Zu gerne gewusst ob in einer anderen Ebene eine oder zwei waren, die genau den gleichen, geringen Stoff trugen. Doch am Ende wusste ich das ich es nur erfahren würde wenn das Schiff anlegt. Wenn sie auch den letzten Rest meines Willens in dieser Kammer hier gebrochen hatten.

 

Mein Blick wanderte durch die halbdunkle Kammer und mir ging ein Gedanke nicht aus dem Sinn. Ich wusste es nicht, wusste es damals schon nicht.

 

„Wie alt bin ich..?“

 

Bilder der brennenden Palme verwischten sich mit den Bildern die ich vor Augen hatte und ließen mich einen anderen Gedanken fassen.

 

„Wie alt war ich..?“

 

Zeit hatte keine Bedeutung in meinen Träumen, das wusste ich, war mir dessen sogar im Schlaf bewusst, doch schien es so, als wenn diese auch vor meinem Vergessen keinen Sinn gehabt hätte.

 

Ich hörte wie sich die Tür öffnete und mir ein langsam bekannter, anekelnder Geruch entgegen stieß.

 

Auch wenn ich wusste was dort in den Raum getreten war, so konnte ich dennoch nicht umhin aufzusehen. Ein fetter, verschwitzter Kerl stand in der Tür und sah mich mit seinem widerlich erfreuten Grinsen an.

 

Die Peitsche die er zuvor sicher noch auf die Ruderer hatte niederschnellen lassen hing noch an seinem Gürtel. Ich hasste diese Kerle. Sie waren schlimmer als die anderen die sich hin und wieder hierher verirrten.

 

So grob das es viel zu oft weh tat.

 

Mein Blick ging nach rechts und ich starrte nur an die Wand als ich hörte wie er weiter in den Raum hinein kam, die Tür hinter ihm zuviel. In dem nun fast dunklen Raum hörte ich nur sein leises, unruhiges Keuchen und das Geräusch seines Gürtels als er diesen öffnete....

 

 

Teil 4

Ich schreckte auf nach diesen Bildern, konnte mich so davor retten was ich noch hätte sehen, erleben ..fühlen... müssen wenn ich nicht erwacht wäre. Ich strich das dünne Stück Laken über mir glatt, blickte einen Moment aus dem Fenster.

 

Der Morgen lag noch einige Zeit weg. Würde noch eine Weile vergehen ehe ich wieder in die Welt hinaus gehen konnte um mich abzulenken, wieder etwas anderes zu sehen als diese Erinnerungen.

 

Langsam ließ ich mich zurück sinken, verschränkte die Arme unter meinem Kopf, starrte an die Decke. Als die Bilder aus meinen Träumen zuvor sich in mein Bewusstsein zurück kämpfen wollten schloss ich meine Augen jedoch schnell und versuchte erneut zu schlafen. Diese Träume kamen nicht jede Nacht zurück. Und nicht zweimal in ein und derselben.

Tänze, ich trug ein langes, aus Seide gefertigtes Kleid. Ich tanzte für einen von ihnen. Einen derer die vor mir saßen und mich beobachteten. Immer wieder warf ich ihm Blicke zu die jeder deuten konnte.

 

Ich spürte seine Blicke auf mir, selbst wenn ich mich drehte, die Augen schloss um mich mehr auf meine Bewegungen, den Rhythmus meines Körpers zu konzentrieren. Ich hörte die Musik im Hintergrund, hörte die leisen Gespräche die er mit seinen Freunden führte.

 

Nichts gutes war es das immer wieder dabei an mein Ohr drang. Ich wusste das er kein guter Kerl war. Wusste das er schon viele auf dem Gewissen hatte und irgendwem im Weg stand. Warum sonst war ich hier?

 

Ich tanze weiter, die halbe Nacht bis meine Hüften sich weigerten sich weiter zu bewegen.

 

Fast als gehörte ich ihm zog er mich hinab zu sich, setze mich zwischen sich und einen seiner Freunde. Der Schleier vor meinem Gesicht verhüllte nur leicht das Schmunzeln das mir dabei auf den Lippen erschien.

 

Meine Augen waren eine Zeit lang nur auf ihn gerichtet, doch als ich mich dann einmal umsah erkannte ich das es mehr Mädchen hier gab die wie ich gekleidet waren. Auch sie tanzen, saßen bei den Männern und leisteten ihnen Gesellschaft, ließen sich von ihnen betrachten, angieren.

 

Wieder ein Gedanke der mich fast aus den Bildern gerissen hätten.

 

„Wie alt war ich?“

 

Schnell verkroch ich mich zurück in meine Träume und beobachtete den Mann neben mir wieder ....es dauerte ewig bis er sich seiner Freunde entledigt, seine Geschäfte scheinbar getätigt hatte und sich mir zuwand.

 

Er bewegte seine Lippen, gab mir Namen die ich nicht hörte. Sagte dinge die kaum zu mir hindurch drangen. Meinen Namen, er nannte ihn nicht. Meine Augen, mein Blick blieb auf ihm ...war fast fixiert auf seine Augen und ich wusste wie ich ihn anzusehen hatte das er nicht von mir lassen wollte, nicht gehen würde an diesem Abend, in dieser Nacht.

 

Irgendwann, nach dem er all seine honigsüßen Worte an mich los geworden war, als ich über jeden seinen schäbigen Witze gelacht, seine Hände immer wieder verzweifelt versucht hatte zurück zu drängen fand ich mich auf einem Zimmer wieder.

 

Der Schleier verbarg noch immer mein Antlitz, konnte er nicht mehr als meine Augen und die Schemen meines Gesichtes sehen. Zu undeutlich als das er sich je daran hätte erinnern können, oder aber einer seiner Freunde.

 

Wieder tanzte ich für ihn, sah durch die Fensterläden hindurch das der Morgen bereits dämmerte als ich seine Hände an meinem Oberteil spürte, fühlte wie er langsam den Verschluss löste.

 

Meine Augen verengten sich zu schlitzen, wendete ich ihm rasch den Rücken zu. Er musste nicht sehen was ich dachte, sollte nicht in meine Augen sehen und erkennen was in diesen vorging.

 

Als er es fast geschafft hatte, fast erreicht hatte was er wollte bückte ich mich, ließ meine Hüften weiter im Tanz sich vor ihm bewegen, war mir sicher das ihn der Anblick verrückt machen würde.

 

Ich raffte etwas das Kleid, ließ meine Hände unter den Seidenstoff wandern und griff nach den dingen die darunter verborgen waren. Die Arme vor der Brust verschränkend richtete ich mich langsam wieder auf und tanze weiter, ihm noch immer den Rücken zugewandt. Wieder spürte ich seine Finger an meinem Oberteil.

 

Eine Drehung reichte, eine Ausstrecken meines Armes ...der Stoff der meine Brüste verhüllt hatte sank zu Boden und ließ mich sein warmes Blut auf der Haut spüren als mein Dolch seinen Weg in seinen Hals fand.

 

Mit fast liebevollem Blick hauchte ich ihm einige Worte zu die ich nicht wirklich in mein Bewusstsein zurück finden lassen konnte. Eine Botschaft, nicht mehr.

 

Das Gurgeln das er von sich gab war das letzte was ich von ihm hörte ehe er tot auf das Bett hinter sich viel, sein schwerer lebloser Körper dann an dessen Rand abprallte und dumpf auf dem Boden aufschlug.

Ein Wimpernschlag nur, dann war ich wieder im Jetzt. Ließ meinen Blick sofort zum Fenster wandern. Das Morgengrauen war schon zu sehen und meine Beine schwangen sich fast wie von selbst aus dem Bett.

 

Etwas ruhiger, etwas klarer als bei meinem ersten Erwachen in dieser Nacht stand ich auf, legte meine Kleider an und begab mich hinaus in die Stadt der Schlangen und Priester.

 

 

Teil 5

‚Eine Sklavin also...’ nur ein flüchtiger Gedanke der mir durch den Sinn schoss als ich in dem Bett lag das ich mir für eigentlich viel zu viel Geld geleistet hatte. Mein Blick ging an die Decke des Raumes über mir und ich versuchte die Bilder wieder in meinen Geist zurück zu rufen die der Anblick von [i]Sal[/i] in mir ausgelöst hatte.

 

Damals schon war ich eine gewesen, nur durch die Gunst der Herrin zu etwas mehr aufgestiegen. Doch Frei dadurch noch lange nicht.

 

‚Arme Sal..’ war wieder ein Gedanke der mir dabei durch den Geist wanderte.

 

Ich drehte mich auf die Seite und schaute zu dem Fenster hinüber das den Blick in die schwarze Nacht preis gab. Die Laken in denen ich lag fühlten sich sauber an, rau, doch sauber. Ein seltsames Gefühl auf der Haut nachdem ich nun wusste wo ich schon einmal gewesen war, noch vor diesem Schiff.

 

Ich schloss die Augen und wusste das mich heute Nacht neue Bilder überkommen würden. Neue Erinnerungen zu mir zurück finden würden. Vielleicht keine Guten, doch war es mir immer noch lieber als gar nicht zu wissen wer oder was ich einmal gewesen war als nur eine Sklavin oder eine Assassine.

Verschleiert erst, dann klarer werdend sah ich ein müdes Gesicht vor mir. Schon damals sah sie vielleicht so müde aus, oder aber hatte ihr nur die vorher gegangene Nacht den Schlaf geraubt. Was auch immer es war, ich sah Sal in der Küche des Hauses stehen, sah ihr kurz zu wie sie der Köchin zur Hand ging.

 

Sprach dabei einige Worte mit ihr. Wieder trug ich dieses Kleid aus Seide, jenes, das mir schon vertraut war aus einem anderen Traum. Einem der Träume die zurück kehrten wenn ich sie erst einmal in meinem Geist wieder gefunden hatte.

 

Eine Männerstimme hinter mir ließ mich aufschrecken, ließ mich herum fahren. Nur mein Name, wieder war es nicht mehr das ich hörte. Ein lauter, herrischer Ton der in diesem Wort lag. Ich spürte wie ich mich unweigerlich verbeugte und in mir kam das verlangen hoch mich dem zu widersetzen.

 

Der Mann vor mir war älter als ich, unverkennbar. Und unübersehbar adelig. Die Farbe die er in seinem Gesicht trug, die feine Kleidung an seinem Leib. Sein Gesicht war von schweren Tagen gezeichnet. Ernst und befehlend sah es aus, ließ keine Widerworte zu. Hinter ihm stand seine Frau die im vergleich zu ihm mit fast mildem Blick zu mir hinüber sah. Woher ich wusste das sie seine Frau war? Manche dinge weiß man einfach in seinen Träumen ...erscheinen sie einem so klar als hätte nie ein Zweifel daran bestanden.

 

Er sprach einige weitere Worte zu mir und ich folgte ihm. Es war eine Szene und ich durfte nur zusehen. Wäre jedoch viel lieber wieder zu Sal zurück gekehrt. Wir wanderten durch das Haus und ich betrachtete die Räume genau, was ich von ihnen zu sehen bekam. Viele Möbel, Kleinigkeiten die sich in jeder Ecke sammelten nur um zu zeigen wie viel Geld doch in dieser Familie vorhanden war. Doch der Stil der in Styien all gegenwärtig war, war auch hier wiederzuerkennen. Auch wenn einige der Gegenstände eher aquilonisch anmuteten, vermutete ich das es Geschenke von anderen Häusern gewesen sein mussten.

 

Ein Raum dann war es in den wir eintraten, in den die Frau scheinbar nicht folgen durfte, denn sie blieb hinter ihrem Mann an der Tür stehen während er hinein trat. Kurz spürte ich ihre Hand auf meiner Schulter und das erste mal war es das ich mehr Worte in meinen Träumen verstand als nur meinen Namen.

 

„Sei vorsichtig dort drinnen ...heute ist es anders als sonst..“

 

Mein Blick ging zu ihr während meine Hände noch einmal kontrollierend an den Stoff um meine Beine griffen. Ich spürte die Dolche unter der Seide, wenn auch kaum merkbar für andere, so wusste ich doch das ich sie bei mir trug.

 

 

Teil 6

Es war nicht schwer für mich in Träumen zu versinken, war nie schwer für mich gewesen schnell den Tiefschlaf zu erreichen. Nur dort gab es den Ort an dem mich nichts erreichte. An dem mich nichts erreichen konnte das ich nicht gleich wieder beenden konnte, würde es mir unangenehm werden.

 

Keine Schmerzen dort die ich nicht sofort zu beenden wusste. Keine Trauer dort von der ich nicht genau wusste das sie nicht existierte. Keine Freude die ich nicht sofort wieder im Leid verlieren würde.

 

Bilder taten sich auf in dieser Nacht, Namen fluteten durch meinen Verstand die ich noch nicht kannte. Vergessen hatte und nun wiederfand in diesen Bildern.

 

 

...ein Mädchen stand neben mir, sie war älter als ich. Auch ihre Erscheinung war größer, erwachsener als die meine. Ich sah an mir hinab, sah einen kleinen Körper. Gerade den Windeln entschlüpft. Meine Hände noch so klein das sie fast unförmig wirkten.

 

Mein Blick ging wieder zu dem Mädchen neben mir, ihr Gesicht erschien so vertraut. Die dunkelbraunen Augen, das schwarze Haar das zu einem schweren Zopf nach hinten gebunden war, die selbst in ihrem jungen Alter bereits schönen Gesichtszüge. ‚Behnu’ flüsterte es immer wieder durch meinen Geist und ich wusste das es ihr Name war, nur sie diesen Namen einst gehabt haben konnte, doch wer sie war blieb mir für den Moment verborgen.

 

Langsam wanderte mein Blick hinüber, dorthin wo Behnu sah. Derketos Priesterinnen, sie tanzten auf dem Markt. Ich hörte nicht die Musik zu der sie tanzten, hörte nicht die Worte die eine der Priesterinnen von sich gab, sah nur die sanften Bewegungen ihrer Körper, wie sie sich immer wieder in ihren Rhythmus hin und her wogen.

 

Ich ergriff Behnu’s Hände, drehte mich etwas um sie herum, ließ in kindlicher Weise meinem Drang zu tanzen freien lauf. Ich drehte mich um Behnu herum, zog sie mit mir in meiner Bewegung und wir lachten. Lachten so klar und frei wie nur das Lachen eines Kindes es vermochte. Doch so schnell die Bilder auch erschienen, so schnell versiegten sie auch wieder hinter einem sanften Schleier von Dunkelheit...

 

...und neue Bilder taten sich auf, sah ich einen alten Mann, den alten Mann aus meinen Träumen dessen Namen ich bisher nicht kannte. Seine alternden Züge, den kleinen, langsam grau werdenden Bart. Seine etwas gebückte Haltung. So vertraut wie immer als er mich anlächelte, die Falten in seinem, von der Sonne fast schon gegerbten Gesicht, dabei noch etwas tiefer wurden. Ein warmes lächeln das nach Heimat rief, für einen Moment Heimweh weckte als auch hier der Name dieses Mannes durch meinen Geist schlich. ‚Tschabu’ ...und wieder war es nur ein Name für ein Gesicht dessen Bedeutung ich in meiner Vergangenheit nicht zuzuordnen wusste.

 

Doch so schnell wie ich sein Gesicht erblickt hatte, so schnell entdeckte ich auch die weibliche Gestalt hinter ihm. Sah in das nicht weniger alte und ebenso sanfte Gesicht einer Frau. Die tiefdunkelbraunen Haare zu einem festen Knoten nach hinten gebunden. Einige graue Strähnen die wie feine Linien zu ihrem Hinterkopf führten.

 

Ihr Lächeln war beschwichtigend, stolz vielleicht sogar ein wenig. Ihre dunkelbraunen Augen lagen ebenso auf mir wie die bernsteinfarbenen des Mannes vor mir. Ich sah die Szene, spürte den Moment voll Wut der in mir aufgekommen war damals, doch wusste ich nicht warum.


Nur ihre Namen waren es die mir durch den Geist flüsterten und mich wieder ein Stück mehr wissen ließen von dem was noch in mir verborgen war. ‚Tschabu und Rhaun’ ...und mehr war es nicht das ich erfuhr außer der Erinnerung an die Wut, die ich in diesem Augenblick auf sie verspürte, die weggewischt wurde durch eine Sehnsucht die ich heute spürte wenn ich diese Namen hörte...

 

....und wieder ein anderer Ort. Wieder ein anderes Gesicht, das Gesicht eines jungen Mannes. Eines Mannes von dem ich wusste, instinktiv, das er nicht älter war als ich. Fünfzehn, sechzehn Jahre vielleicht. Und doch fühlte es sich nach so viel mehr an.

 

Sah ich in seinen hellbraunen Augen die Sehnsucht die ich damals ebenso gespürt hatte. Sehnsucht nach Freiheit, Sehnsucht nach dem eigenen Leben. Doch nicht mehr als ein Moment war es der mit diesen Gefühlen verbunden war. Als sein Name durch meinen Geist wanderte wechselte das Gefühl in Wut. Als Hass hätte man es fast bezeichnen können. ‚Nearo’ ...und sein Gesicht verschwamm mit der brennenden Palme die ich schon lange kannte, wurde nach und nach von den Flammen verzerrt ehe die Bilder gänzlich versiegten. Ehe es schwarz um mich wurde für einen Moment.

 

...und wieder sah ich etwas, dunkler erst, dann heller werdend. Ein dunkler Raum, angefüllt mit Menschen in Lumpen. Wieder sah ich an mir hinab und erkannte, das auch ich nicht mehr trug als das Nötigste, um meine Blöße zu bedecken. Ich hörte das Geschrei ...Zahlen die wild um sich geworfen wurden, hörte dieses mal den Lärm zu den Bildern, doch nur für einen Augenblick ehe wieder alles still wurde.

 

Mein Blick wanderte über die Sklaven die nach und nach verkauft wurden, wir immer weniger wurden in dem Pferch hinter der Bühne. Und irgendwo in all dem Getümmel entdeckte ich ein kleines, blondes Mädchen. Verzweifelt versuchte sie die Fesseln abzuschütteln, zerrt immer wieder daran. Unaufhörlich hörte man das Klimpern der Ketten die sie festhielten.

 

Ich sah auf meine Handgelenke und auch wenn ich doch eigentlich wusste, das auch ich diese Ketten trug, so musste ich es sehen um es wirklich glauben zu können. Langsame Schritte führten mich zu ihr, die Haare zerzaust, etwas schmutzig wirkend stand sie da, merkte nicht einmal wie ich hinter sie trat. ‚Sal.’...ihr Name war mir schon vertraut, dennoch hörte ich ihn leise durch meine Gedanken schleichen.

 

Sie zitterte, vielleicht vor Angst, vor Aufregung, oder einfach vor Wut und etwas gab in mir nach. Spürte ich das verlangen sie mit mir zu nehmen dort hinaus wenn es so weit war. Einen langen Atemzug brauchend um den Mut zu fassen legte ich dann von hinten meine Arme um sie, hörte man wie unsere Ketten aufeinander trafen als ich meine Hände auf die ihren legte.

 

Nicht viel älter als sie war ich damals, nicht größer. Doch hatte ich in dem Moment das Gefühl ihr all meine Ruhe, all meinen Mut geben zu müssen. Alleine nur durch meine Nähe, meine Arme die sie fester umschlossen, meine Hände die versuchten ihre zur Ruhe zu bringen und durch meine Worte die ich ihr leise zuflüsterte.

 

‚Wir gehen zusammen...’

 

Ich spürte ihren Blick auf mir, die Angst darin ohne es wirklich zu sehen, doch das Zittern ließ nach. Wurde weniger als wir gemeinsam, trotz des Protestes des Sklavenhändlers, trotz des Gegröles vor der Bühne langsam in die Mitte des Podestes traten. Ihr sah aus dem Augenwinkel das sie ihren Blick gesenkt hatte, versuchte sich vor den Blicken der Käufer zu verstecken. Doch ich sah auf die Menschen dort hinab, ließ meinen Blick über jeden von ihnen wandern, versuchte die ihren so fest ich konnte zu erwidern.

 

Noch etwas fester dann legte ich meine Arme um Sal als ich eine Frau in der Menge entdeckte. Ihren Blick schweigend, doch fast flehend erwiderte. Und es dauerte nur einen Moment ehe sie langsam begann die Hand zu heben, ich ihr zulächelte. Ein sanftes Lächelnd das mehr sagte als nur Danke. Ein Lächeln das mehr sagte als es Worte je hätten tun können in einer Menge die nur aus Männern bestand...

 

 

Teil 7

Die Liege war hart, doch störte es mich nicht. Ich hörte sie sich auf dem Bett bewegen das ich ihr überlassen hatte. Hörte wie sich ihr Körper über die rauen Laken bewegte. Sie schlief bereits, ich wusste es, hörte ihren ruhigen Atem. Das Geräusch ihres Atems war es der mich nicht denken ließ. Und schnell, noch schneller als üblich versank ich in Träumen.

 

 

Es war schon spät, das wusste ich. Die Feste des Herren gingen immerzu bis spät in die Nacht, den frühen Morgen hinein. Nicht einen Schritt aus dem Raum weichen in dieser Zeit. Nicht einen Moment unachtsam sein in diesen Stunden. Es ermüdete so sehr. Ich spürte meine Müdigkeit selbst in meinen Erinnerungen, spürte die Erschöpfung und die Schwere meiner Augenlider selbst hier. Doch unter all dem vernahm ich etwas...

 

Woher kommt das Wimmern? Woher kommt das Jammern?

 

In meinen Träumen nur ging mein Blick umher, wurde ich fast nervös als ich diese Geräusche bemerkte. So fern von mir und doch so nah. So weit weg das ich sie nicht zuordnen konnte, und doch so nahe an meinem Ohr das ich das Gefühl hatte die Person nur greifen zu müssen um es zu wissen.

 

Die Gäste schlenderten an mir vorbei. Ich sah in jedes ihrer Gesichter und merkte mir ihre Züge. Die Bewegungen, die Gesten die sie machten. Nichts davon erinnerte mich an dieses Gefühl des Heimwehs. Es war nicht meine Welt, war nie meine Welt gewesen. Und doch stand ich hier, mitten unter ihnen, sah ihnen zu wie sie lachten. Sah zu wie sie sich voll stopften mit allem was diese Länder zu bieten hatten.

 

Wut, ich spürte sie wieder in mir, doch nichts an meinen Zügen hinter dem Schleier ließ darauf deuten. Viel zu sehr war ich konzentriert nicht zu vergessen welche Aufgabe ich hier hatte.

 

Wieder dieses Wimmern, woher kam es nur?

 

Die Zeit verstrich in meinem Traum, zog an mir vorüber wie Augenblicke, doch spürte ich noch mehr die Müdigkeit durch meine Glieder wandern. Spürte ich noch mehr wie meine Augenlider schwer wurden, meine Augen zufallen wollten.

 

Ein Wink meines Herrn dann ließ mich all das wieder vergessen, stellte er mich vor einen Mann, wusste ich das er seinen Namen nannte, doch wusste ich nicht mehr was es war das gesagt worden war. Versank es nur wieder hinter dem Grau der Stille die in meinen Träumen immer zu war.

 

Und dann dieses Wimmern, diese leisen Geräusche.. Woher kamen sie nur?

 

‚Kümmere dich um ihn Amenteth. Er ist ein Freund der Familie.’

 

Die Stimme so klar in meinem Traum, so entgegen dem was ich glaubte zu hören. Und nur ein Atemzug ehe ich wusste was es bedeutete. Meine Aufgabe hier war erfüllt. Ich sollte gehen, mit ihm. Ein leichtes, ergebenes Nicken war meine Antwort, eine andere Wahl hatte ich ohnehin nicht.

 

Ein Lidschlag, ein Moment ehe ich mich mit diesem Mann an meiner Seite auf dem Flur in der Villa wiederfand. Mein ruhiger Gang nur schein, doch merkte er es sicher nicht. Ich wusste welchen Weg ich zu gehen hatte. Wusste welchen Ausgang ich mit ihm nehmen sollte das niemand uns sehen würde.

 

Ein leises Wimmern, da war es wieder. Woher kam es nur?

 

Ein langer Flur, so viele Zimmer. Die Räume der Sklaven. Auch mein Zimmer lag auf diesem Flur, doch würde dieser Kerl neben mir es nie zu Gesicht bekommen. Mein Weg führte mich entlang an einem Raum, entlang an einer schweren Tür und da war es wieder ...und mein Blick wanderte hinüber. Nur einen Moment, doch ich sah hin.

 

Das Wimmern, da war es wieder. Von da also kam es her.

 

Mein Blick blieb noch haften an dieser Tür, meine Ohren lauschten noch einen Moment, doch war dann nichts wieder in mir. Nur der Gedanke daran was es zu tun galt mit diesem Mann. Nur der Gedanke daran was mich erwartete.

 

Eine schwere Tür, der Eingang den nur wir nutzten. Nur wir, die wir nicht würdig waren durch die Tür der Adligen zu gehen, wenn wir ihnen nicht gerade dienten. Die Tür, die niemand sehen wollte. Die niemand sehen sollte, denn führte sie doch zu den Schicksalen derer, die in der Linie weit unter ihnen stand.

 

Meine Hand griff an die große Tür hinaus, schob ich sie langsam auf. Ein lautes Geräusch dann war es, das mich zurück sehen lies. Nur einige Sekunden waren es die ich zurück blickte in den Gang. Zurück blickte zu der Tür, zu dem Wimmern....

 

 

....und mit einem Schlag war ich wieder im jetzt. War ich wieder im Hier, auf der Liege und hörte sie keuchen vom Bett aus. Hörte ihren schnellen Atem, die Anstrengung die ihre Träume ihr noch immer brachten.

 

Da also kam das Wimmern her...

 

Ein Stück weit setzte ich mich auf, sah zu ihr hinüber. Das blonde Haar schweißnass an der Stirn klebend. Die Augen schwer von der immer anwesenden Müdigkeit. Müdigkeit die sie zurück treiben wollte in ihr Leiden. Zurück treiben wollte an den Ort den ich nun ein Stück mehr kannte.

 

Es brauchte einen langen, schweren Atemzug ehe ich mich erheben konnte, meine Glieder mir wieder gehorchen wollten. Ich zu ihr ans Bett gehen konnte. Ich schaute sie nur an, sah in ihre glasigen Augen. Zuviel das darin lag, was ich nicht sehen wollte.

 

„Es waren nur Träume Sal, nichts als Träume...“ sprach ich leise zu ihr, als ich dann versuchte sie in meine Arme zu schließen....

 

 

Teil 8

Ich spürte den harten Boden unter mir, wusste das mir morgen, wenn ich erwachte alles weh tun würde. Doch für den Moment war es gut. Das ruhige Atmen an meiner Seite zu hören war wie ein Lied das mich langsam in den Schlaf führte. Keine Vergangenheit in dieser Nacht. Keine fremden Gesichter. Nur Augen, eine Hand, eine Berührung die ich spürte in meinen Träumen. Und meine Gedanken die ich nicht zurück drängen konnte. Nicht wusste wohin mit ihnen, die mich fast wahnsinnig werden ließen, denn sie fesselten mich an diese kalte Welt.

 

 

Helle Augen, ich sehe in sie hinein, spüre den forschenden Blick von ihnen. In mich sehen, das schaffst du nicht. Meine Seele sehen? Das willst du nicht. Ich sehe in diese Augen und spüre die Wärme die nur dann durch mich flutet. Viel zu kalt ist mir in letzter Zeit.

 

Ich spüre meine Finger über seine Hand wandern, fühle jede Unebenheit. Nicht vergessen, einprägen für den Moment da er schwinden wird.

 

Ich fühle noch die Berührung von vorhin, spüre noch die Hände auf meinen Beinen, die Arme um meinen Körper. Fast als wären die Hände nie von mir gewichen, und es beginnt zu schmerzen. Viel zu lange dauerte es an ...viel zu sehr fesselte es mich in den Augenblick.

 

Nimm sie weg die Hände, die Wärme dauert doch nicht ewig. Du kannst mich nicht für immer festhalten, kannst mich nicht ewig mit dir tragen. Lass mich wieder zurück, lass mich gehen in die Welt die ich mir gesucht habe, erschaffen habe. Meine Träume...

 

...ein anderer Moment. Ich sehe in die Tasse, sehe den Tee wie er leichte Wellen schlägt in dieser. So ruhige Bewegungen, die Spiegelung des Feuers darin. Ich höre euch, höre eure Stimmen. Ich weiß das ihr sprecht, weiß was ihr redet, doch ist es nicht nah. So fern, so verschleiert. Nichts das mich dazu treiben kann diesen Ort zu verlassen für den Moment. So viel Ruhe hier, keine Kälte, keine Wärme. Nichts außer mir und der Leere...

 

Und dann spüre ich wieder den Blick, spüre die Anwesenheit die mich festhält, zurück zieht in eure Gegenwart. Mein Name manchmal, er reicht schon und ich bin wieder hier. Ich weiß das ihr mich sehen wollt, weiß das ihr meinen Blick sehen wollt, nicht die Leere, den wahren Blick. Ihr wollt ihn nicht sehen, wollt nicht wissen wie meine Augen wirklich sind..

 

So oft im Moment versuche ich zu flüchten, holt ihr mich zurück, lege ich dann sogleich meine Maske an. Das was dahinter liegt wird nie jemand sehen, wird nie jemand erkennen. Und sollt ihr es auch nicht. Es gehört nur mir, beobachtet mich wenn meine Blicke wieder in die Leere gehen.

 

...und wieder ein anderer Moment. Ich sehe sie fallen, liegen zu meinen Füßen, rieche noch den Lotus der in der Luft liegt. Ich brauche ihn in diesen Kämpfen. Brauche seine Wirkung um nicht zu fallen. Doch nur noch mehr verschleiert sich mein Blick dadurch.

 

Ich spüre ihr Blut auf meiner Haut, höre ihre Schreie, ihr Gurgeln wenn ich ihre Kehlen durchschneide, doch es ist wieder so weit weg von mir. Ich weiß das ich es tue, und doch ...bin nicht wirklich ich es, die das alles tut. Es geschieht von selbst und ich sehe zu, höre was passiert.

 

Das bin ich ...Momente in denen ich lebe, Momente die ich aufnehme. Die ich in mir trage und denen ich zusehe wenn die Leere mich wieder ruft. Lasst mich in meinem Innern bleiben. Was hat diese Welt schon zu bieten für mich? Was außer der Kälte die ich kenne?


Ich spüre deine Bewegung neben mir, weiß das du erwachst. Ich gehe noch nicht zurück. Ich wahre den Moment in mir, werde weiter träumen, auch wenn du gehst. Ich bleibe noch ein wenig in meiner Welt ...bis mein Körper sagt das es reicht. Das du dann fort bist, dessen bin ich mir sicher.

 

Ich warte einfach, warte bis du wieder etwas wärme an meine Seite bringen kannst. Warte bis du mir wieder ein paar Momente schenkst die ich festhalten kann, mit mir nehmen kann hinüber. Dort wo ich fast immerzu verweile...

 

 

Teil 9

Mein wahres Gesicht, man sah es selten. Doch nur vor wenigen Tagen hatte ich es gezeigt. Die Wut, die ich so sehr in mir einschloss, jeden Tag aufs neue.

 

Niemand durfte in meine Welt greifen. Erst recht nicht einer, der in einer Welt lebte die es noch weniger gab als die meine. Sal, ich hatte nicht gewusst wie ich ihr noch hätte in die Augen sehen sollen. Hatte nicht gewusst was ich tun sollte, also tat ich das einzige was uns beide vor einem endgültigen Ende gerettet hatte. Sie fort schicken.

 

An diesem Abend war er es gewesen der meine Wut, meine Selbstzweifel, mein Versagen hatte ausbaden müssen. Und noch mehr. Er hatte kein Recht dazu gehabt.

 

„Lasst mich einfach in ruhe, ich tue es doch auch..“ Die Worte drangen an dem Abend an mein Ohr, und hätte ich nicht schon alle Kraft verbraucht gehabt, ich hätte wohl laut aufgelacht, mich amüsiert über seine Dummheit.

 

Niemand wirft meine Welt in Scherben. Niemand tut das ohne meine Seele einen Moment zu sehen, einen Moment zu sehen was wirklich in mir liegt. Wäre ich gestorben an diesem Abend, es wäre mir egal gewesen.

 

Nun jedoch, da ich den leisen, ruhigen Atem von ihm bei mir hörte, da ich seinen warmen Körper unter mir spürte wusste ich, dass es dumm gewesen wäre. Nur in diesem Augenblick, so wie es jetzt war, wollte ich nicht sterben, nicht gehen.

 

Wusste das es wieder vorbei gehen würde, würde er erwachen, doch solange, wollte ich nicht gehen. Wollte weiter seinen Arm um mich spüren und genießen was ich hatte. Meine Welt, jene die ich mir in so viel Zeit zusammen gesammelt hatte, die kleinen Momente mit Sal in der Taverne, die kleinen Streiterein, die Augenblicke mit Djar bevor wir nun hier Arm in Arm lagen. Das alles war gebrochen ...und ich wusste nicht einmal genau warum.

 

‚Warum fühlt es sich dann nicht schlecht an?..’

 

Warum fühlte es sich genau jetzt nicht schlecht an? Die Antwort auf meine Frage blieb wie so oft aus. Blieb aus als ich langsam begann in Träumen zu versinken und auch dort ein Stück mehr von dem fand was ich suchte, was ich erfragte.


Schnell fand ich mich wieder unter dieser Palme wieder. Wieder in dem Schatten den ich wohl so oft gesucht hatte. Und wieder hörte ich die Schritte des Mannes hinter mir nahen. Hörte das Knirschen der Sandkörner unter den Sohlen seiner Sandalen.

 

„Amenteth?..“

 

“Ja Vater? ..ich ruhe mich nur kurz aus, ich gehe gleich zurück an die Arbeit ...die Sonne brennt nur so sehr..“

 

„Deswegen bin ich nicht hier mein Kind. Du wirkst bedrückt in letzter Zeit ..was ist es das dich so trüb wirken lässt?“

 

Ich hörte wie er sich langsam neben mir in den Sand setzte. Spürte für einen Augenblick wieder den warmen Wüstenwind über meinen Körper wehen, spürte meine Haare einen Moment dabei mein Gesicht entlang streichen.

 

“Ich...“ Kurz musste ich schmunzeln, sah hinab auf die feinen Sandkörner vor mir, die noch immer mit dem seichten Wind tanzten. “Ich spüre nur das meine schönen Moment ...meine guten Gefühle in letzter Zeit viel zu schnell vergehen ...als wolle man sie mir entreißen..“

 

Ich hörte sein herzliches Lachen, musste darunter nur noch etwas mehr schmunzeln. Meine Finger begannen feine Linien in den Sand zu zeichnen. Tat ich es wohl eher um nicht aufsehen zu müssen.

 

„Bei Set, Kind. Wenn das alles ist was dich bedrückt, wie willst du dann dein Leben eines Tages bestreiten?“

 

Er schwieg kurz, ich spürte noch einen Moment seinen sanften Blick auf mir, ehe ich wusste das er mit seinen Augen über die Dünen wanderte, sicher mit dem so vertrauten nachdenklichen Blick.

 

„Diese Welt besteht aus guten und schlechten Momenten. Deine Mutter zu treffen war einer der besten die ich erleben durfte ...ich verwahre ihn in mir wie einen Traum. Erinnert man sich an diese Augenblicke wenn es schwer wird, dann erscheint dir das Schlechte nicht mehr ganz so übel wie zuvor.“

 

“Das ist aber nicht die Weise die ich gedenke zu leben Vater.“ Mein Blick hob sich und wanderte eben so über die Dünen die sich vor mir und Tschabu auftaten. Ich sah dem Wind zu wie er den Sand begann vor sich her zu schieben unter der heißen Mittagssonne.

 

“Ich will nicht eine Sekunde schmerz spüren müssen, nicht so wie du es musstest in all den Jahren, oder aber Mutter. Ich will ein Leben das voll von Glück ist und in dem ich niemals etwas anderes haben werde als ein Lächeln auf den Lippen.“

 

Ich konnte mir das Lächeln meines Vaters vorstellen, konnte fast spüren wie er seine Augen schloss und den Kopf schüttelte bei den Worten. Es dauerte einen Moment ehe ich seine Antwort hörte, hörte wie er sich dann langsam wieder vom Sand erhob.

 

„Du warst schon immer die Träumerin von euch beiden. Eine Welt wie du sie dir wünschst gibt es nicht, aber du kannst dir eine kleine Oase in dieser Welt erschaffen, so wie ich es mit deiner Mutter tat. Am Ende sind es diese kleinen Oasen in der Wüste dieser Welt die uns am Leben erhalten, uns nicht vergessen lassen wofür wir leben..“

 

Ich hörte wie er sich den Staub von der Kleidung klopfte. Wusste das tief in mir das diese Antwort jene war, die ich immer zu erwarten hatte wenn ich davon sprach das ich mehr von meinem Leben erwarten würde.


Ich spürte den warmen Rinnsaal über meine Nasenspitze wandern, spürte dann den Tropfen der Träne die sich löste. Zuviel war das.

 

Geahnt hatte ich es schon, doch nun so klar zu wissen wer dieser alte Mann im Sand neben mir gewesen war tat weh. Und noch mehr tat es weh das dieser Moment passiert war irgendwann, das ich mich nie von diesem Glauben hatte lassen können. Mich vergraben hatte in diesen Träumen dann, die mein Vater mir beschrieben hatte.

 

Vorsichtig hab ich meinen Kopf, wischte die Träne weg, hoffte nur das Djar es nicht bemerkt hatte, nicht davon erwacht war. Erneut versuchte ich mich aus seinem Arm zu winden, wie schon zuvor in dieser Nacht.

 

Mühsam dann gelang es auch. Und als ich meine Waffen schnell ergriffen hatte, bereit war zu gehen konnte ich es für einen Moment doch nicht.

 

‚ Am Ende sind es diese kleinen Oasen in der Wüste...’ hörte ich noch einmal die Stimme meines Vaters in meinem Geist. Vielleicht wenn ich wieder alles wusste, wenn ich akzeptieren konnte, dann würde ich auch meine Oase finden können, aber bis dahin....

 

Als die Sonne langsam auf ging und die ersten Strahlen in das kleine Tal hinab fielen verschwand ich in den Schatten der Bäume. Die Welt dort draußen wartete noch darauf das meine Dolche sie etwas kälter machte. Einige Oasen anderer dort draußen zerstört wurden...

 

 

Teil 10

Ich sah sie vor mir  liegen, sah in die geweiteten, dunklen Augen. Nicht einen Laut hatten sie von sich geben können. Viel zu schnell war der Stich erfolgt und hatte ihnen die Luft zum sprechen genommen. Sie hatten geschlafen, friedlich, hilflos. Noch hilfloser als gewöhnlich.

 

Ich schloss die Augen selbst in meinem Traum, lies die Bilder noch einmal an mir vorüber ziehen und sah was zuvor noch geschehen war.

 

Kein Kleid aus Seide in dieser Nacht. Hatte ich die Villa in diesem dunklen Gewandt verlassen, die Kapuze tief in mein Gesicht gezogen war ich durch die Nacht geschlichen, nicht zu sehen für viele.

 

Meine Augen waren immer wieder aufmerksam umher gewandert. Selbst in den dunklen Gassen waren immer Gestalten die einen beobachten könnten. Niemand sollte mich erkennen.

Dann das Fenster, gerade groß genug das ich hindurch gepasst hatte. Lautlos zu Boden geglitten war.

 

Einen Augenblick hatte ich mich in dem Zimmer umgesehen, keine Wachen. Niemand der mich hier hätte stören können, sehen können. Ein Schmunzeln kurz, als ich wusste das der erste Schritt getan war, hineingelangen war meist doch viel zu einfach.

 

Leise dann wanderte ich durch die Zimmer. Die Villen sahen am Ende alle gleich aus und jeder hatte sein Schlafzimmer fast immer an den selben Orten in diesen Häusern. Keine Wachen, noch nicht.

 

Ich blickte um die Ecke, nur eine kleine Fackel in dem Gang erhellte die Umgebung und lies mich erkennen das an der Tür einer Stand. Seine Rüstung war nicht wirklich dick, war mehr Zierde als alles andere. Narren...

 

Ein flinker Griff an meine Dolche, spürte ich wie mein Herz schneller zu schlagen begann, wieder dieses seichte Lächeln das sich auf meinen Lippen ausbreitete. Noch etwas tiefer zog ich die Kapuze, fast bis über die Augen. Einen Moment angespannt spurtete ich dann los, erst durch die Dunkelheit die mir der Gang noch bot, als ich ins Licht trat dann, er mich sah war es schon zu spät für ihn.

 

Ein leichte Drehung, huschte ich unter seinem Schwert hinweg als er mit Gewalt nach mir zu schlagen versuchte. Viel zu grob, viel zu überrascht war seine Handlung. Ein leises Gurgelnd dann als mein Dolch in seine stark pulsierende Ader stieß, das Blut einen Moment hinaus schoss ehe es dann langsam meine Klinge hinab floss.

 

Er sank zu Boden. Ich sah ihm in die Augen als ich ihn versuchte so sanft, so geräuschlos wie möglich dabei zu helfen. Ich sah sein Leben schwinden, sah ihm zu wie er fast flehend noch einen Moment meinen Blick erwiderte. Betteln hilft dir auch nicht...

 

Als er am Boden lag ging mein Blick wieder auf die Tür, hoffte ich das niemand einen seiner Laute vernommen hatte im Schlaf. Leise drückte ich das Holz das mir den Weg versperrte ein Stück bei Seite, warf einen Blick hinein. Der Schein der Fackel aus dem Flur warf einen schmalen Lichtstrahl hinein und ich erkannte das Bett, richtete mich schnell wieder auf.

 

Nur ein paar Schritte waren es, dann stand ich am Bett. Die Frau war unwichtig, ein Schnitt durch ihre Kehle, hatte sie kaum die Augen öffnen können ehe ihr Leben verwirkt war. Der Mann jedoch war es der mich mehr Vorfreude spüren lies.

 

Vorsichtig, ja fast zärtlich setzte ich mich auf ihn, wusste das es ihn aus dem Schlaf ziehen würde, sanft und unerwartet das er mich vielleicht für jemand anderen halten würde.

 

Ich spürte seine Hände meine Schenkel hinauf wandern, sah das er einen Namen nannte, sicher den seiner Frau, oder einen seine Geliebten. Einerlei ...er sollte mich ansehen, sollte wissen wessen Körper er da berührte.

 

Als er langsam, noch verschlafen die Augen öffnete und mich sicher als dunkle Gestalt über sich wahrnahm war wohl das letzte das er sah sicher mein Grinsen, war das letzte was er hörte sicher meine leisen Worte.

 

’Nie wieder wirst du mich anrühren...’ und alles was er sagen wollte versank in diesem vertrauten Gurgeln das sie alle am Ende von sich gaben wenn ich ihre Laute ersticken wollte. Selbst in meinem Traum genoss ich diesen Moment, denn ich ahnte, erinnerte mich fast daran warum ich dieses Mal so sehr genoss was ich tat.

 

Ansehen, ja. Anfassen, nein. Doch wurde es befohlen vom Herrn so musste ich auch dieses Nein bei Seite schieben. War es ein Freund der Familie durfte ich nicht nein sagen, musste ich es erdulden. Nicht alle bleiben auf ewig Freunde der Familie...

 

Mein Blick dann irgendwann ging umher, löste sich von dem toten Körper, den toten Augen unter mir. Noch war es nicht vorbei. Eines gab es noch das ich erledigen musste. Auch wenn es etwas war das mir all die Lust an diesem Mord wieder nehmen würde, alle Emotionen wieder ersticken würde.

 

Langsam erhob ich mich von seinen sich nie mehr bewegenden Lenden und schlich hinaus. Lautlos immer noch. Wachen gab es sicher noch mehr in diesem Haus, doch wollte ich nicht dass sie zu früh entdeckten dass jemand hier gewesen war.

 

Es war nur einige Zimmer weiter, war nur ein Stück den halbdunklen Gang zurück. Ein weiterer Raum, und als ich die Tür hinein öffnete sah ich auf die kleinen Betten. Alles auslöschen aus dieser Familie, das war es was ich sollte. Auch sie gehörten dazu. Die Linie vernichten. Was sie getan hatten um das zu verdienen wusste ich nicht, doch war es auch nicht wichtig wenn es befohlen wurde.

 

Meine dunkle Erscheinung stellte sich vor das erste Bett, und mein Blick ging hinab auf den kleinen Körper unter dem sauberen Laken. Leicht nur immer wieder bewegte sich ihr Brustkorb.

 

Einen langen, tiefen Atemzug brauchte es ehe ich meinen Dolch hinab fahren lassen konnte. Spürte wie ich zerbrechliche Rippen durchstieß, in weiches Fleisch hinein glitt. Kein Laut entrann der kleinen Kehle, hörte ich nur die Luft entweichen die den kleinen Körper füllte als ich die Klinge langsam wieder hinaus zog.

 

Das zweite Kind war ebenso schnell hinter mich gebracht. Sie waren so hilflos, noch viel hilfloser als gewöhnlich. Und die Erinnerungen an diese Nacht versiegten wieder in dem Blick hinab auf den kleinen toten Körper vor mir.

 

Ich wusste, als ich spürte das ich erwachte, das ich an diesem Abend zu meinem Herrn zurück gekehrt war. Eine Nacht wie viele andere, mehr war es am Ende nicht gewesen. Und wieder hatte ich eine Oase in der Wüste austrocknen lassen.

 

Das letzte was ich sah vor meinen Augen ehe ich erwachte war der Mann unter mir, war das Zittern seines Körpers zwischen meinen Schenkeln als er sein Leben aushauchte. Und langsam schlug ich die Augen auf....

 

~ fortsetzung folgt ~

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